manchmal kommt man an einen Punkt, wo man so nicht zufrieden ist, wie alles läuft. Und das, obwohl sich prinzipiell nichts verändert hat.

Mir geht es so mit diesem Blog. Schon komisch, ich schreibe hier seit sechs Jahren regelmäßig. Ich meine, das muss man sich mal vorstellen. Sechs Jahre. Sechs Jahre privates Zeug. Ich habe ein viertel meines Lebens mehr oder weniger schriftlich festgehalten.

Ich liebe das Schreiben. Es ist meine persönliche Ausdrucksform, die Form, in der ich mich am liebsten mitteile. Andere malen, machen Musik, ich schreibe. Ich liebe das Schreiben, weil ich auf diese Art und Weise erzählen kann, was ich fühle. Was ich erlebt habe. Und – weil ich zugegebenermaßen nicht besonders wortgewandt bin, wenn es um das gesprochene Wort und komplizierte Dinge geht.

Wenn ich jetzt so zurückschaue und meine Einträge lese, scheint mir irgendwie alles so trivial. Und gleichzeitig so herrlich erfrischend. Ich habe vor mehreren Jahren einfach geschrieben, ohne nachzudenken. Und das ist das, was meine Blogeinträge immer ausgemacht hat. Dieses Unkomplizierte.

Ich habe nicht darüber nachgedacht, wer das liest. Ich habe nicht darüber nachgedacht, wer was über mich denken könnte. Und gleichzeitig erscheint mir das Geschriebene so weit weg, als hätte ich einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Als wäre ich über Nacht erwachsen geworden (was natürlich Unsinn ist).

Ich habe festgestellt: Ich kann nicht mehr so schreiben. Es ist einfach weg. Irgendwie ist diese Leichtigkeit verloren gegangen. Es ist in letzter Zeit so viel passiert, es hat sich viel ereignet, dass alles andere banal wirkt. Und das lässt keinen Platz, mich mit den kleinen, einfachen Dingen zu beschäftigen, zumindest momentan nicht.
Eigentlich nicht ganz übel. Oft fühlte ich mich hier wie das kleine Mädchen, dem alles Mögliche an ungeschickten Dingen passiert. Dinge, die jedem passieren. Die aber nicht jeder so breit tritt. Das führt schnell zu einem Bild von einem naiven ungeschickten Ding. Das ist lustig. Manchmal. Manchmal auch nicht. Je nach Stimmung.

Nun ja, lange Rede, kurzer Sinn: Ich weiß manchmal gar nicht mehr recht, wie ich hier mit diesem ganzen Dings umgehen soll, was ich schreiben will, wie ich es schreiben will. Deswegen bleibt der Blog gerade auch ab und an für mehrere Tage unbefüllt.
Ich habe manchmal Lust, ganz von vorne anzufangen. Thematik anders, Name anders, alles anders. Ich vergleiche das ein bisschen wie umziehen in eine neue Wohnung: man braucht einfach mal eine neue Umgebung, um sich irgendwie neu zu definieren und zu wissen, was man will. Oder Auszeit.

Ich weiß jetzt gar nicht genau, was ich damit sagen wollte. Ich denke, man kann gut herauslesen, dass ich unschlüssig bin. Ich lass das einfach mal so stehen.

***

Wie, wo, was. Veränderung.

9. Juni 2010 um 19:33 Uhr

Ego & I, Station57

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20 Kommentare

Ja. Geht mir manchmal sehr ähnlich. Allerdings habe ich, glaube ich, nie so regelmäßig und oft gebloggt wie du. Deswegen finde ich es auch nicht so schlimm, wenn mir mal 2, 3 Wochen lang nichts einfällt.

Neuanfang ist so eine Sache, wäre es bei mir zumindest. Ich denke, ein Themenblog wäre auf Dauer nichts für mich, und ein privater Blog wäre nach einer Weile so wie mein jetziger, weil ich eben ich bin.

Unschlüssigkeit ist in Ordnung. Da ist am Ende aber jeder sein eigener Held.


blog verkaufen und neu anfangen! da gabs doch schon n paar die das gemacht haben ;)

aber ich glaub es muss irgendwas mit dir und oder deinen hobbys zu tun haben, ich fänds schade wenn du dich komplett aus dem web zurück ziehst, aber d.h. nich dass du jeden tag was schreiben musst.

gruß


Jenny, du darfst niiie ganz aufhören zu bloggen. Sonst gäb’s ja meinen Lieblingsblog nicht mehr! :fowgel


Ich habe neulich einen sehr wahren Satz gehört:
„Things can change instantly.“
Den kann ich mal sowas von unterstreichen, für alle Belange des Lebens.


Das ist ja jetzt doof, hab das Blog hier grad erst in meinen Feed-Reader gepackt. ;) Aber wer sechs Jahre zu spät kommt, hat im Internet wahrscheinlich manchmal das Nachsehen.

Du könntest ja ein neues Blog anfangen, ohne dem alten gleich den Hahn abzudrehen. Und dann nach einer Weile entscheiden, welches mehr Spaß bringt. Das wäre bei Unschlüssigkeit doch eine praktikable Lösung.


Nach 6 langen Jahren kann man das durchaus verstehen! Auch wenn einem das alte am Herzen liegt, möchte man doch irgendwann einen Tapetenwechsel haben. Irgendwann wächst man halt aus (fast) allem heraus.


Kenn‘ ich. 2004 wegen zuviel Zeit damit angefangen und über alles mögliche gebloggt. Dann 2008 die Krise bekommen, weil das so ein Kraut und Rüben-Blog war. Und zudem ich auf die dauernden Updates keine Lust hatte, weil dann wieder irgendein Plug-In nicht läuft.

Ich habe dann neu aufgesetzt, direkt bei Wordpress, und mich etwas regionaler fokussiert. Über mich kommt eher selten was, das muss schon das Katerchen sterben.


Ging mir auch mal so. Auch nach etwa 6 Jahren. Dann gab es drei Jahre Pause und dann ging es weiter. Aber ich schließ mich Ani an, nicht aufhören, mir würde was fehlen. Was komisch klingt, weil man sich ja nicht kennt und so. Aber ich schau hier gerne vorbei. Ob hier nun täglich was steht oder einmal die Woche.


wäre sehr schade, wenn dus komplett aufhörst…
uuuund gleich ma noch zusätzlich: wir müssen mal wieder einen tag pro woche festlegen zum ppp oder mpp machen :freu
lieb you hase :tux


Christin: Neuanfang ist so eine Sache, wäre es bei mir zumindest. Ich denke, ein Themenblog wäre auf Dauer nichts für mich, und ein privater Blog wäre nach einer Weile so wie mein jetziger, weil ich eben ich bin.

Ja, das ist auch mein Ergebnis nach langem Nachdenken gewesen. Ich wüsste nicht, auf was ich mich spezialisieren sollte, und na ja, stand eigentlich sowieso nie zur Debatte.

tux: aber ich glaub es muss irgendwas mit dir und oder deinen hobbys zu tun haben, ich fänds schade wenn du dich komplett aus dem web zurück ziehst, aber d.h. nich dass du jeden tag was schreiben musst.

Komplett auf gar keinen Fall. Da würde mir was fehlen.

Ani: Jenny, du darfst niiie ganz aufhören zu bloggen. Sonst gäb’s ja meinen Lieblingsblog nicht mehr!

:freu

schmunk: „Things can change instantly.“
Den kann ich mal sowas von unterstreichen, für alle Belange des Lebens.

Ja. Können schön. Aber um es zu können muss man es wollen. :D Und Veränderung bedeutet auch Überwindung.

el flynn: Aber wer sechs Jahre zu spät kommt, hat im Internet wahrscheinlich manchmal das Nachsehen.

Hihi, schön formuliert. :D

el flynn: Du könntest ja ein neues Blog anfangen, ohne dem alten gleich den Hahn abzudrehen. Und dann nach einer Weile entscheiden, welches mehr Spaß bringt. Das wäre bei Unschlüssigkeit doch eine praktikable Lösung.

Das war auch meine Idee. Hm, mal sehen, wie sich das umsetzen lässt. :D

Katja: Irgendwann wächst man halt aus (fast) allem heraus.

:jenny

Marc: Über mich kommt eher selten was, das muss schon das Katerchen sterben.

Stimmt. Bei den Kommentaren hier erfährt man mehr. :)

stiller: Aber ich schließ mich Ani an, nicht aufhören, mir würde was fehlen. Was komisch klingt, weil man sich ja nicht kennt und so. Aber ich schau hier gerne vorbei. Ob hier nun täglich was steht oder einmal die Woche.

Ja, ich weiß, was Du meinst. Klingt komisch, ist aber so.

Saskia: wäre sehr schade, wenn dus komplett aufhörst…

Niemals.

Saskia: wir müssen mal wieder einen tag pro woche festlegen zum ppp oder mpp machen

Puh. Dann ist meine Woche bald völlig ausgebucht. :D

Danke.


So ist das manchmal, man entwickelt sich weiter… aber hör nicht auf, egal wie du deinen nächsten Blog aufziehen möchtest. Ich z.B. hab nie etwas von einem naiven Mädchen rausgelesen. Eher ein aufgeklärtes, weitschauenendes und manchmal etwas schusseliges (aber süß schusselig und nicht blöd schusselig) Mädchen. Es ist halt wie mit Fotos, man selber findet, man sieht total kacke aus, während andere sagen: Wieso? Ist doch voll okay :D und so ist das hier auch… du denkst: „Würgs was für ein Mist hier steht“ und alle anderen haben wieder mal einen herrlich erfrischenden Blogentry gelesen, welchen dich noch sympathischer macht :D
CiAO Fr34k


Bin wohl auch ein paar Jahre zu spät, aber ich fände es schade, wenn Du Station57 nicht mehr befüllen würdest. Schließlich ist es gerade für Späteinsteiger wie mich spannend, sich nach und nach zu den ersten Beiträgen durchzuklicken und die Entwicklung des Blogs nachträglich mitzuerleben!


@ Fr34k: Danke für die lieben Worte. :)

@ Felix‘ welt: Ooohh. Entwicklung. Dann mal viel Spaß, haste ja ’ne Menge nachzuholen. :D


Ich finde aber gar nicht, dass man, nur weil man sich weiterentwickelt hat oder sich im Leben was verändert hat, auch gleich einen neuen Blog anfangen muss. Du bist ja auch nicht mehr genau die selbe, wie vor sechs Jahren, und dein Blog hat sich ja auch irgendwie mit dir mit entwickelt. Du kannst doch auch auf Station57 weiterbloggen, und trotzdem über andere Themen schreiben. Ich finde DU bist das, was den Blog ausmacht, und nicht, über welches Thema du schreibst.

Ich könnte es bestimmt nicht übers Herz bringen, einen Blog, den ich sechs Jahre lang hatte, einfach so zu schließen. Meiner wird übrigens nächste Woche 1 Jahr alt. xD

Also, egal, ob du jetzt hier weiterbloggst oder woanders, ich werd’s weiterhin lesen. Und ich bin echt froh, dass du nicht vorhast ganz aufzuhören! :freu


Kenn ich nur zu gut.. Verbündete im Geiste..


Geht mir grade nich anders. Alles doof. :P


Ani: Ich finde aber gar nicht, dass man, nur weil man sich weiterentwickelt hat oder sich im Leben was verändert hat, auch gleich einen neuen Blog anfangen muss.

Muss man natürlich nicht. Aber wenn man mit dem, was war, und was dort geschrieben steht, nicht mehr zufrieden ist, ist es einfacher, dort auch einen Schnitt zu machen.

Ani: Also, egal, ob du jetzt hier weiterbloggst oder woanders, ich werd’s weiterhin lesen. Und ich bin echt froh, dass du nicht vorhast ganz aufzuhören!

:freu

Marcel: Kenn ich nur zu gut.. Verbündete im Geiste..

Wir sind ja quasi zusammen groß geworden.

Julian: Geht mir grade nich anders. Alles doof.

Was ’ne Krankheit.


Auch wenn ich heute das erste Mal hier bin und erst seit etwas über sechs Monaten blogge, kann ich es gut verstehen…

Manche Themen brennen und ich möchte Sie gerne (mit)teilen, aber viele meiner Leser kennen mich zu gut und da fehlen einem doch manchmal die Worte. Ich schreibe dann über Kinobesuche und Belangloses oder verpacke die Info, die ich nicht mit jedem teilen will, in kryptische Sätze, was mehr oder minder gut gelingt.


Ich glaube, so kommt es mir jedenfalls vor, das entsteht nur im Kopf, weil man plötzlich einspurig fährt. Irgendwann hat man seine Methoden, seine Sätze, seine Formulierungen, man hat seine Themen und man hat dieses Bild von Erwartungen im Kopf die an einen gestelt werden, und die man vor allem an sich selbst stellt. Zwar wird das Schreiben mit der Zeit immer versierter, aber auch, zumindest für sich selbst, immer flacher und langweiliger, weil man so darauf erpicht ist jeden Eintrag so gut und schön und kreativ hinzubekommen, dass man vergisst mit dem eigenen Gefühl im Bauch zu schreiben. So kommt es mir jedenfalls vor, und bei mir geht es inzwischen wieder besser, seit ich mir selbst erlaube anders zu schreiben, spontaner, auch wenn ich danach feststelle dass irgendwie hauptsächlich scheiße dabei rausgekommen ist, so macht es doch wieder mehr spaß. Man muss mehr ausprobieren, wieder neues, den Stil ändern, völlig abseits des Gewohnten teilweise, andere Themen wählen oder bekannte Themen tiefer ergründen, auch auf die Gefahr hin dass man sich in einem Artikel mal auf ein Detail zu sehr versteift, oder sowas. Zurück zur Faszination vom Anfang, wo man sich noch ausprobiert hat und nicht so sehr der eigenen Linie gefolgt ist. Schätze ich.


Sehr schön gesagt.