man könnte denken, nach der Ausbildung sei man darauf vorbereitet, alles handhaben zu können. Mal abgesehen von der fehlenden Berufserfahrung. Was aber, wenn man eigentlich gar nicht so viel kann, wie man können sollte?

Wenn man Mediengestalter als Ausbildungsberuf wählt, sollte man eine gewisse Affinität zu den Medien selbst haben – natürlich, ein Auge für das Schöne (oder auch: ein wenig Talent) und Erfahrung mit den gängigsten Programmen. Das sind die besten Voraussetzungen, die man selbst mitbringen kann.

Um eine optimale Ausbildung zu erhalten, sollte man sich einen Betrieb suchen, der einen mit allem vertraut machen soll. Ich kann für meine Fachrichtung sprechen: Mediengestalter, Schwerpunkt Digital, Fachrichtung Gestaltung und Technik. Das heißt im Klartext, man sollte den Umgang mit Flash lernen, HTML und CSS, programmieren, bisschen Druckvorstufe, Screendesign für Webseiten und andere digitalen Anwendungen. Ein Mediengestalter ist nicht nur ein Grafiker, wie viele denken. Oder „nur ein Webdesigner“. Ein Mediengestalter ist im besten Falle jemand, der von allem etwas kann. Oder böse gesagt: jemand, der eigentlich von nichts richtig gut kann. Daher ist es wichtig, sich auf etwas zu spezialisieren.

Meine Fachrichtung ist die, die am meisten ausgebildet wird.

Die praktische Prüfung besteht darin, dass man im ersten Schritt eine Webseite entwirft nach gewissen Vorgaben, und diese schließlich umsetzt. Bei meiner Fachrichtung ist es dann noch so, dass man etwas programmieren muss. In meinem Fall war das ein Konfigurator, im Fall meiner Mit-Kollegen war das jetzt ein Gewinnspiel.
Die theoretische Prüfung ist jetzt nicht wirklich erwähnenswert, weil man schließlich alles auswendig lernen kann. Und was den fachtheoretischen Teil betrifft: Wer da nun wirklich keine Ahnung hat, kann sich das Mediengestalter-Kompendium durchlesen. Alles nur eine Frage der Zeit, nicht des Könnens.

Zugegeben ist es auch nicht ganz einfach, alles zu wissen und zu meistern. Es ist keine Schande, einen Bereich weniger zu beherrschen und sich Hilfe zu holen oder sich beraten zu lassen. Aber jemand, der jetzt im Betrieb das ganze Jahr nur Bildretusche macht, kann weder das Screendesign entwerfen, noch umsetzen, geschweige denn das Gewinnspiel programmieren. Es gibt bei uns auch Fälle, in dem die Leute von ihrem Betrieb komplett für den falschen Ausbildungsberuf angemeldet wurden. Wie ein Mitschülers von mir, der im Grunde nichts mit Web zu tun hatte, sondern nur 3D-Modelle entwickelte, und so gut wie gar nichts in Bezug auf den gewählten Beruf kann. Und solche stehen dann wie die letzten Idioten vor ihren Prüfungsaufgaben. Im Endeffekt heißt das, entweder verkacken oder andere machen lassen. Und so kommt man dann zu einem Wisch, der beweisen soll, dass man alles mit Bravour gemeistert hat. Und eigentlich gar nichts aussagt.

Ich hatte das Glück, dass mich mein Betrieb angemessen ausgebildet hat, und ich alles gelernt habe, was man so lernen sollte. Aber ganz ehrlich, welcher Azubi schaut sich seinen Betrieb von vorne herein so genau an, dass er mit Sicherheit wissen kann, es ist der richtige? Die meisten sind froh, endlich einen Ausbildungsplatz bekommen zu haben und haben sonst auch keine richtige Ahnung, wie alles ablaufen muss, damit man perfekt ausgebildet wird.

Eine Ausbildung garantiert kein profundes Grundwissen. Nur die Erkenntnis, dass man das, was man lernen und sein will, selber in die Hand nehmen muss, wenn einem Steine in den „Ausbildungsweg“ gelegt werden. Eigentlich eine traurige Sache. Nicht, dass man Dinge selber in die Hand nehmen muss, sondern dass man zwei bis drei Jahre in etwas investiert, mit dem man so verdammt viel Pech haben kann – und auch noch Einfluss auf die Zukunft nimmt.

Gedenktag des Tages: Staatsfeiertag in Kroatien.

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10 Kommentare

Richtig! kann ich nur voll und ganz beipflichten.

Meine eigene Ausbildung ist 11 Jahre her und ich hab seit dem nie in meinem Ausbildungsberuf gearbeitet. Bin aber eingestellt worden weil ich die Ausbildung gemacht habe(?)!

Seit dem Frag ich mich häufig ob das Ausbildungssystem so richtig ist. Warum 3 Jahre Ausbildung, warum gibt es Firmen die auf Grund Ihrer Größe Ausbilden müssen und das auch tun ohne davon ein nutzen zu haben oder das ausgebildete Personal zu benötigen? Warum ist es so wichtig eine Ausbildung zu haben?

Cooler wäre, man nimmt sich eine Auschreibung für einen Job, kann sich die entsprechenden Kurse zusammen suchen und belegen und hat dann ein Jahr lang Zeit diese zu bestehen und dann bekommt man die Festeinstellung. Das wäre doch was oder? Dann ein Jahr auf Probe bei etwas geringerem Gehalt um Berufserfahrung zu sammeln (aber bitte kein Praktikum, das nur Abzocke).

Das wäre eine WinWin Situation… die Unternehmen bekommen auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Personal und das Personal weiß was es kann.

Es ist übrigens traurig das viele Arbeitgeber gar nicht wissen was Sie wirklich benötigen, gerade bei IT-Berufen.


Mein Bruder und seine Frau sind auch Mediengestalter, und ich habe da Ähnliches gehört. Er hatte einen ziemlich blöden Job, wo auch niemand so richtig wusste, für was „außer Bildretusche“ er noch zuständig ist (und halt mal Platzkarten gestalten), denn das meiste, was er macht, sieht für jeden PS-Amateur einfach aus. Leider sieht man nicht genau das ganze Hintergrundwissen, das er ja auch mal auswendig lernen musste. Ich denke z.B. oft, dass ich mit all meinen autodidaktischen Gestaltungserfahrungen sehr gut mit Photoshop klarkomme, und nett was entwerfen kann – aber die theoretischen Grundlagen fehlen… und das merke ich auch oft! Also Hut ab vor dem, was eigentlich wie du sagst nur Zeit kostet – immerhin habt ihr das doch gemacht. :kls

Was schade ist, und das ist an der Uni nicht anders, dass man Menschen eben nur bedingt „zwingen“ kann, etwas wirklich zu verinnerlichen, und es später anzuwenden. In der Agentur meines Bruders z.B. haben manche ihre Fotos noch mit dem Lasso-Tool ausgestellt! WTF? :liaf Oder was bringt es einer Agentur, wenn sie jemanden haben, der alles theoretische perfekt für die Prüfung gelernt hat, und es dann nie wieder anwendet?
Wie du sagst, man muss sich wirklich überall selbst reinknien, schon allein um die Berufswürde zu erhalten und sagen zu können, hey, das kann eben nicht jeder! Also da spreche ich sogar aus Erfahrung, denn wenn man was mit Geisteswissenschaften studiert, muss man den Sinn dessen auch ständig rechtfertigen -.-


………… hmmm ein gewinspiel programieren is doch easy man mus nur die Daten abgreifen die der zu spielende einträgt und weiter verhökern………. was das lernen anbelangt na ja das ist unwitzig weils nicht dem endspricht was es soll und na ja was soll ich sagen die Scheingeilheit is so verbreitert das man den Nachvolgeschluss mit Hirn begegnet…. also Arbeit…. oder sammeln………… alles eine Frage der Sichtweise………

Gehirnschreibfehler bitte ignoriren weil keinen Bock auf Mumpitz, irgendwann reichts auch mir………….. hapüüüüü


man muss als mediengestalter alles koennen, weil der Beruf total ueberlaufen ist, die Preise fuer die Loehne deswegen gedumpt werden, und irgendwie muss man sich als Jungspund ja gegen die andere Breite Masse durchsetzen, wenn man ne Einstellung erwartet.

Wenn man das zeitig genug erkennt, und die Ausbildungsjahre exzessiv nutzt, steht man glaube nicht schlecht da.

Das Arbeitsleben ist nunmal nicht Vokabeln auswendig zu lernen um Sie dann beim Test vor sich hinzupinseln, genau so – wie man sie erlernt hat.

*amen*


@ Alexander Thiel: Ist halt die Frage, wie man es besser machen kann, und welche Kosten damit verbunden sind. Ich bin aber auch kein Profi in der Bildungspolitik.

Warum ist es so wichtig eine Ausbildung zu haben?:

Das mit den Kursen zusammensuchen ist vielleicht theoretisch eine gute Idee, aber im Endeffekt schafft das viele Leute mit einem Mega-Spektrum an Schwerpunkten, die man sich zusammen sucht.
Es ist schon sinnvoll, eine Ausbildung abzusolvieren. Nun ja, Betrieben fällt es leichter, eben nicht aus tausend „Kursen“ was herauszusuchen. Lieber einer, mit eindeutigem Profil. Ob derjenige das alles auch erfüllt, ist jedenfalls fraglich, wie gesagt. Wird man dann beim Gespräch herausfinden.

Julia: Was schade ist, und das ist an der Uni nicht anders, dass man Menschen eben nur bedingt „zwingen“ kann, etwas wirklich zu verinnerlichen, und es später anzuwenden.

Jo, das wollte ich hier nicht noch anschneiden, da ich keine Uni-Erfahrung habe. Ich kenne aber genug, die studieren, und danach gar nicht richtig wissen, was sie eiegntlich machen wollen oder sollen. Oder eben alles Theoretische in sich reinprügeln und im Endeffekt wieder vergessen, weil keine praktische Anwendung stattfindet.

Julia: Also da spreche ich sogar aus Erfahrung, denn wenn man was mit Geisteswissenschaften studiert, muss man den Sinn dessen auch ständig rechtfertigen

:liaf

Peter: ein gewinspiel programieren is doch easy man mus nur die Daten abgreifen die der zu spielende einträgt und weiter verhökern

Klar. Ein Drei-Gänge-Menü zu kochen ist auch einfach, wenn man weiß, wie es geht.

quin: man muss als mediengestalter alles koennen, weil der Beruf total ueberlaufen ist, die Preise fuer die Loehne deswegen gedumpt werden, und irgendwie muss man sich als Jungspund ja gegen die andere Breite Masse durchsetzen, wenn man ne Einstellung erwartet.

:kls

quin: Das Arbeitsleben ist nunmal nicht Vokabeln auswendig zu lernen um Sie dann beim Test vor sich hinzupinseln, genau so – wie man sie erlernt hat.

:kls :jenny


Nach der Lehre ist vor der Lehre.

Wir Köche haben ja ein riesiges Spektrum an Dingen die wir wissen müssen. Fleisch, Fisch, Gemüse, Pasta, Schnittformen, Süßkram, HACCP und Co.
Und meine Ausbildung war würde ich sagen: schlecht.
Deswegen bin ich aber aus den Betrieb raus nach meiner Lehre und tu jetzt als Jungkoch arbeiten. Keiner verlangt von mir, dass ich alles auf Anhieb kann, weiß und umsetzen kann. Sowas kommt mit den Jahren der Erfahrung in meine Beruf ;)


Jenny: Oder eben alles Theoretische in sich reinprügeln und im Endeffekt wieder vergessen, weil keine praktische Anwendung stattfindet.

Ja, das ist leider wahr. Ich denke mir auch jeden Tag nach einem Seminar oder einer Vorlesung: Boah, das war jetzt mal interessant – zu dumm dass es mir nichts bringt. Wenn man eben weder großer Theorie-Schriftsteller oder Sprachwissenschaftler wird, hat vieles keinen Sinn, außer dass man das Gefühl hat, schlau zu werden. :grinnod: Ich bin zwar selber kein Lehramtler mehr, aber immer froh über die Dozenten, die versuchen, ihren Stoff mit dem zukünftigen Beruf 3/4s ihrer Hörer zu verbinden. :smile:


Dazu kann ich nur sagen: Amen!

Erlebe ich immer wieder wenn sich jemand bei uns bewirbt und IT FI-Anwendungsentwickler gelernt hat, aber einem dann erzählt das er viel mit Druck gemacht und nen bisschen mit Webseiten erstellen („so HTML u nd CSS, ne ?“) hat aber im Leben noch keine Zeile richtigen Programmcode gesehen geschweigedenn programmiert.

Da weiss ich immer nich ob ich weinen oder vor Resignation gleich vom Stuhl unter den Tisch sinken soll … was willst so jemanden noch sagen ? – und er kann nichtmal was dafür!


Besser hätte ich es auch nicht formulieren können. Aufm Punkt gebracht.


Helmut: Sowas kommt mit den Jahren der Erfahrung in meine Beruf

Sehr weise Worte!

Andre/STB: was willst so jemanden noch sagen ? – und er kann nichtmal was dafür!

Na ja. Ich meine, man hat ja schon gewissen Vorstellungen von seinem Beruf, und kann ja auch was. Wenn’s komplett schief läuft, merkt man das ja – und muss dann halt handeln. wer hinnimmt steht dann halt blöd da.

Janin: Besser hätte ich es auch nicht formulieren können. Aufm Punkt gebracht.

Amen.