ich habe mich gerade das zweite Mal innerhalb einer Woche von meinem Online-Banking ausgesperrt. Würde ich mich selbst nicht schon für völlig gestört halten, würde ich sagen, ich bin völlig gestört. Glücklicherweise ist die Bank hier nur eine Gehminute entfernt, um den ganzen Spaß wieder entsperren zu lassen. Und als wär das nicht genug, hab ich die Sicherheitsfrage meines Tagesgeld-Kontos falsch beantwortet. Drei Mal. „Wie hieß Ihr erster Freund?“

Aber das soll uns alles nicht davon abhalten, meinen ganz persönlichen Jahresrückblick zu vollziehen.

Das Ganze fing damit an, dass ich das erste Mal in meine eigene Wohnung zog, in der ich jetzt schon seit etwas mehr als einem Jahr wohne. Sie hat stolze achtundzwanzig Quadratmeter und kostet vierhundertzwanzig Euro warm und liegt nicht mal im Herzen Bad Cannstatts. Und wenn ich schlafe, stelle ich mir einen Stuhl ans Ende der Couch.
Nach knapp zweieinhalb Jahren des WG-Lebens ist das natürlich eine Umstellung, keinen mehr um sich herum zu haben. Aber auch sehr schön, weil keine betrunkenen halbstarken Freunde meines Mitbewohners S. an meiner Zimmertür kratzen, während sie am Boden lagen und versuchten, das Klo zu finden (das übrigens direkt neben meinem Zimmer lag, was oft von Vorteil war, aber auch oft von Nachteil, wenn jemand mal was Schlechtes gegessen hat und sich dort lautstark austobte).

Ich schloss meine Ausbildung ab, die ich auf die lockere Schulter nahm, einfach, weil diese Prüfung von jedem Idioten geschafft werden kann, der einen Kreis von einem Quadrat unterscheiden kann und einen höheren Intelligenzquotienten als Forrest Gump hat. So weit reichten auch meine Fähigkeiten.
Leider musste ich nach drei Jahren aus meiner Agentur ausscheiden, fand aber nach sechs Wochen Arbeitslosigkeit wieder einen Job, in dem ich das mit meiner Kompetenz nun unter Beweis stellen muss. Oder so ähnlich.

Ich überwand den Liebeskummer des Todes und begann eine Beziehung mit dem wundervollsten Menschen. Wundervoll, obwohl er mich manchmal mit „Hey, Du Freak!“ begrüßt und mit Schnee portraitiert.

Ich

Ich habe in diesem Jahr gefühlt tausend Mal weniger gebloggt als jemals zuvor. Irgendwann hat sich bei mir der Schalter umgelegt, und ich hab einfach alles zu private aus meinem Blog heraus gelassen, was für einen Privat-Blog natürlich der Tod ist. Aber das ist okay, ich finde mich langsam aber sicher wieder rein. Ich nenne mich ab heute, hm, J. Weil das in ist, sich nach dem ersten Buchstaben des Namens zu benennen. Das haben uns S und B von dragstipgirl vorgemacht.

Wo wir bei den Blogs des Jahres wären. Fangen wir mit ihm an. Er schreibt so gute Texte, dass ich beim Lesen gleichzeitig weinen und lachen muss. Machen wir beim Klassiker weiter. Ich lese vieles zwar gar nicht mehr, freu mich aber über vereinzelt private Texte von Marcel, weil die immer noch genialst sind. Weiter geht’s zu meiner Homo-Freundin: danke für Deine Postkarte, und unsere tolle Nacht auf dem Wasen, als die Bierbank zerbrach. Ich begann, Modeblogs zu lesen, unter anderem den hier. Oder den, beziehungsweise den und den. Ich bin so gay. Ich mag immer noch den Blog, den, den und den sehr gerne. Hier auch noch. Und den. Neues, das aus Stuttgart dazu kam: das und das, auch wenn letzteres bald in Köln stattfindet. Ein Blog, den ich nur gegen Bezahlung in den Artikel aufnahm, und einen gegen eine Ladung Käse. Und sogar einen Fachblog. Und viele weitere mehr. Aber Links in Beiträge einzubauen ist ganz schön anstrengend.

Außerdem lernte ich Russisch. Bekam einen Walkmen. War auf der Stuttgart-21-Demo, obwohl mir Stuttgart 21 im Grunde völlig wurscht ist, und steckte mir sogar einen Button an meine Tasche, der irgendwann mal abfiel.

Ich war auf der Hochzeit meiner Schulfreundin und trug das erste Mal richtig hohe Schuhe und ein hässliches Shirt auf dem Junggesellinnenabschied.

Ich färbte mir die Haare rot. Und dann wieder braun. Wurde aber schwarz. Doof. Außerdem bekam ich skurrile SMS auf mein neues iPhone.

Ich gestaltete den Verlobungsabend meiner besten Freundin aktiv mit und war dabei, als sie ihr Hochzeitskleid aussuchte. Ich war mit meinem Bruder Uwe auf dem Wir-sind-Helden-Konzert.

Und in Paris.

Und manchmal suchte ich meine Schwester und fand sie hinter der Couch.

Und hier der Song des Jahres:

Danke an alle, die dazu beigetragen haben, dass 2010 ein schönes Jahr war.

***

Mamma mia, mamma mia, mamma mia let me go!

30. Dezember 2010 um 16:43 Uhr

Retrospektive

20

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20 Kommentare

Liebe J.,
ich danke für Käse und MagicGum. Beide Lieferungen waren pure Awesomeness!
Alles Beste für 2011! :)

P.S.: Und damit ich dieses Jahr noch mal einen lustigen Smiley nutze: :fowgel

P.P.S.: Das Schlimme ist, man kann damit nicht aufhören. :fowgel :fowgel :fowgel :fowgel :fowgel

P.P.P.S: Aber wir haben ja keine Zeit. Also, alles Liebe! :tux

P.P.P.P.S.: Einen noch: :fowgel


Mein Daumen ist irgendwie krüppelhaft :D

Du hast meinen zukünftig-coolen Blog vergessen. Ich knoble schon über den ersten Eintrag, ob ich den hier schreibe, oder eben wo anders :D


Das klang alles sehr sehr spannend. Ich sollte auch einen Beitrag darüber verfassen… mmh.
(Und YEAH – ich bin gelinkt *G*)


stiller: ich danke für Käse und MagicGum. Beide Lieferungen waren pure Awesomeness!
Alles Beste für 2011!

Kein Ding. :kls Für Dich doch immer gerne.
P.P.P.P.P.S: :tux :fowgel

Uwe: Mein Daumen ist irgendwie krüppelhaft

Normal. :D

Uwe: Du hast meinen zukünftig-coolen Blog vergessen. Ich knoble schon über den ersten Eintrag, ob ich den hier schreibe, oder eben wo anders  

Der ist noch leer und daher nicht sehenswert!

Uwe: ob ich den hier schreibe

Tu Dir keinen Zwang an.

Helmut: Das klang alles sehr sehr spannend.

Schleimi.

Helmut: (Und YEAH – ich bin gelinkt *G*)  

Endlich wieder Backlinks!


<3

2011 Jenny-Baby, das wird unser Jahr! Oder so…


Fachblog… hihi… Fachblog… :-)


Marcel:
<3
2011 Jenny-Baby, das wird unser Jahr!

:daumen Ja, Mann.

Jeriko:
Fachblog… hihi… Fachblog…

:)


Du hast im Louvre fotografiert und wurdest nicht von französischen Gorillas zusammengepfiffen? Wow.


Es gab Bereiche, da war das absolut verboten – beim Rest war das somit völlig legitim.


Dein Bruder zeigt da sogar abfällig mit dem Daumen auf eine, die dort unerlauberweise fotografiert. So interpretier ich das jedenfalls.


Das ist ein schöner Jahresrückblick. Da hat sich 2010 ja irgendwie gelohnt, oder? :)


Nummer Neun: Dein Bruder zeigt da sogar abfällig mit dem Daumen auf eine, die dort unerlauberweise fotografiert. So interpretier ich das jedenfalls.

Das wäre wirklich sehr geschickt gestellt. Tztz.

Sascha: Das ist ein schöner Jahresrückblick. Da hat sich 2010 ja irgendwie gelohnt, oder? :)

Da stimme ich Dir absolut zu!


In dem Bereich mit der Mona Lisa war das Fotografieren aber damals, als ich in Paris war, komplett untersagt. Und in allen anderen Bereichen mit interessanten Gemälden auch.


Hm. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich keine Ahnung habe, ob da nun ein Verbotsschild hing oder nicht, hab keines gesehen – aber es schien so selbstverständlich zu sein, die Mona Lisa zu fotografieren, dass ich nicht zögerte. :nixwiss
Und die Gorillas hab ich weit und breit nicht gesehen. :)


solang du die bilder nicht anfasst :wink:


jeannie: solang du die bilder nicht anfasst :wink:

:liaf


Juhuuuu, danke für die Blumen ♥


Gegen Bezahlung??? Ich bin zu tiefst empört! :fowgel



Schön!

(also die Mona Lisa durfte man als ich in Paris war offiziell fotografieren ;) Wann war das denn…hmmm…2004 oder 2005…sowas rum :mrgreen: )