Archiv der Kategorie Ärgernis

Stadtbahn vs. Auto

gestern hatte ich, nach so richtig langer Zeit, total Pech mit meinem Weg von Cannstatt nach Ostfildern. Als erstes verpasste ich meine S-Bahn – eigentlich weniger dramatisch, weil ich dann zwei Minuten einfach mit der Stadtbahn fahren kann, aber als ich an der Stadtbahn-Haltestelle ankam, dachte ich mir auch erst mal so: „WOAH!“ und dann „FUCK! Das tut doch weh!“ Ich tastete mich noch ab, ob noch alles dran ist – dann überquerte ich fix die Straßenseite zur Station, bevor mich eine der vielen Feuerwehrautos auch noch mitnahmen.

Eine Mitvierzigern aus Hamburg dachte sich wohl, dass sie mit ihrer kleinen Karre direkt mal – ohne zu schauen, über einen Bahnübergang fahren kann (was eigentlich verboten ist (aus gutem Grund)): War aber eine doofe Idee, und ohne noch mal nach hinten zu schauen gleich doppelt, so dass ihr die Bahn eben mal wirklich ganz dezent (!) in das Auto fuhr, und es knapp zwanzig Meter über die Schienen schleifte. Die Gute kann froh sein, dass ihr und dem Mitfahrer nicht mehr passiert ist, als schwer verletzt zu sein. In dem Auto hätte ich jedenfalls – nach dem ersten Blick – nicht sitzen wollen. Totalschaden.

Meine Stadtbahn fuhr dann natürlich weder in die eine noch in die andere Richtung, nahm dann eine halbe Stunde später, nachdem mir alles abgefroren ist, die S-Bahn zum Hauptbahnhof. Am Hauptbahnhof war irgendwie auch einiges los (Montagsdemo und so Kram), so dass die Bahn von dort aus auch eine Viertelstunde mehr als geplant auf sich warten ließ. Kaufte mir aus Frust einen „Spiegel“ (der mal wieder so eine Mann-Frau-Klischee-Geschichte abspeiste), weil mein iPod natürlich auch keinen Akku mehr hatte und ich die Zeit mit irgendwas überbrücken wollte, und setze sich mich neben Stuttgart-21-Schilder haltende Endfuffziger. Dolle Wurst. Hab dann letztlich auch nur die kursiv geschriebenen Passagen im Spiegel-Hauptartikel gelesen und mir noch die Statistiken angesehen, die unter anderem behaupteten, dass Frauen am liebsten mal mit Günther Jauch ausgehen würden.

Als meine Bahn endlich kam, war ich überglücklich, bis zu dem Moment, an dem ich herausfand, dass an meiner Strecke Bauarbeiten gemacht wurden und ich irgendwann aus der Bahn in den Bus steigen musste. Glücklicherweise hatte ich an dem Tag mittags was Deftiges zu essen, somit waren noch einige Glückshormone noch kräftig am Wirken und konnten meinen Unmut mit ansetzendem Fett wettmachen.

Um es mal in Zahlen auszudrücken: für eine Strecke von eigentlich einer halben Stunde brauchte ich eineinhalb Stunden. Nun ja, schlimmer geht ja bekanntlich immer, somit war ich mal so frei, glücklich zu sein, dass ich überhaupt ankam. Genüsslich biss ich einige Minuten später in meinen Burger.

Gedenktag des Tages: Tag der Erfinder.

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Verkehrsbedingte Beeinträchtigungen, oder so.

9. November 2010 um 21:30 Uhr

Stadt, Ärgernis

6

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Schuhe am Bahnhof.

mein langes Wochenende war prall gefüllt mit aufräumen, putzen und einer Top-Planung, wie sie nur von mir stammen kann.

Samstag habe ich die Zeit dazu genutzt, endlich mal wieder meine Bude auf Vordermann zu bringen. Ich verbringe da momentan ja recht wenig Zeit drin, weshalb es mich in der letzten Zeit auch nicht sonderlich interessierte, wie es dort aussieht. Da aber eine Freundin von mir vorübergehend einzieht, weil sie aus ihrer Wohnung musste, aber noch keine neue hatte (Wohnungen in Stuttgart suchen ist außerordentlich scheiße), dachte ich, dass ich das der Guten nicht antun kann. Habe also geschrubbt, gespült und mir endlich mal einen anständigen Staubsauger besorgt, und nun sieht das Ding aus wie neu. Und der alte riesige Rattenkäfig ist ab morgen auch weg, schön eine Anzeige zum Verschenken aufgegeben – der hat schließlich auch die Hälfte des Platzes meiner Mini-Wohnung eingenommen.

Sonntag wollte ich eigentlich in die Heimat fahren, stieg also in den Zug, und hatte sozusagen ein Mantra, das ich mir immer wieder selbst sagte: „Verpasse den Ausstieg in Waiblingen nicht, verpasse den Ausstieg in Waiblingen nicht.“ Aufmerksame Twitter-Follower wissen, dass ich dadurch schon fast meinen Körper in zwei geteilt hätte – ich sprang damals nämlich in letzter Minute aus der S-Bahn, und blieb halt einfach mal so dezent in der Tür stecken. Das war sehr peinlich, da der Zug nicht weiterfahren konnte. Und sonderlich bequem war das auch nicht. Na ja, nach einigen Minuten, gefühlte Stunden, befreite ich mich und beschloss, mir so ein Dilemma in Zukunft zu sparen. Hab ich jetzt ja auch, dafür hab ich den Ausstieg verpasst. Und wer sonntags öfter mal in Käffer fährt, wo man nach dem Bahnhof noch mit dem Bus weitertuckern muss, weiß, wie beschissen da die Verbindungen sind. Kurzum: Nach Hause zu fahren hätte sich nicht mehr gelohnt. Da war das also auch gegessen.

Abends fand ich mich dann gegen zehn zur Kneipentour im Irish Pub in Stuttgart ein. Ein paar Beck’s, ein paar Kurzen und einige Kneipen später, war ich schon gut dabei, obwohl ich eigentlich nur auf „ein, zwei Bier“ vorbeikommen wollte. Irgendwie haben der Mann und ich es auch geschafft, bei der letzten Kneipe aus Versehen den kompletten Tisch zu zahlen, warum auch immer. Gibt aber bestimmt jede Menge Karmapunkte.

Übrigens haben Sonntagabend tatsächlich einige Kinder nach Halloween-Manier Bonbons gesammelt. Bei uns haben sie auch geklingelt, wir haben aber nicht geöffnet, weil weder der Mann bereit war, seine Toblerone herzugeben, noch ich meine letzten Raffaelos, und wir sonst nicht auf den Abend vorbereitet waren. Ganz anders, schätzungsweise, in der Heimat.

Nachdem ich dann heute körperlich bedingt bis zum Mittag geschlafen hatte, wird es darauf hinauslaufen, dass das ein gemütlicher Abend wird. Und wenn man einen Mann im Hause hat, der sich quasi darum schlägt, kochen zu dürfen, und das auch gut kann – was will man mehr. Werde die nächsten Tage, dank der Vier-Tages-Woche, total verwirrt sein, aber das ist okay. Schließlich ist umso früher wieder Wochenende.

Gedenktag des Tages: Weltvegantag.

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Keineahnungwas

1. November 2010 um 19:24 Uhr

Stadt, Ärgernis

11

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wenn es gerade etwas gibt, dass die Stuttgarter – und inzwischen wahrscheinlich auch darüber hinaus – beschäftigt, dann Stuttgart 21. Man demonstriert dagegen; die, die nicht demonstrieren, regen sich über die auf, die demonstrieren, und dem Rest ist es völlig wurscht, ob die da nun einen Bahnhof hinbauen, die Stadt einstürzen könnte oder das Grundwasser verseucht wird.

Die ganzen lokalen News-Plattformen und Sender sind voll mit Berichterstattung, und sowieso, im Herzen Stuttgarts ist man ja sowieso immer live dabei, wenn zig tausende Menschen auf die Straße gehen.

Ich, als Mensch und Stuttgarter, der sich jetzt nicht megamäßig für die Politik interessiert, wurde mit dem Projekt recht spät vertraut, irgendwann im November letzten Jahres, als die Montagsdemos starteten. Damals habe ich das auch nicht wirklich registriert – registriert haben es die meisten wahrscheinlich auch erst, als der Abrissbagger dastand, beziehungsweise die erste große Menschenmasse vor dem Bauzaun. Es ist nun mal so, dass die Mehrheit der Leute in der Hinsicht alles viel zu spät mitbekommt – und das beantwortet wahrscheinlich auch die Frage, warum so spät – in dem Ausmaße – demonstriert wird, nämlich erst dann, wenn eigentlich alles schon durch ist.

Demonstranten geben allerlei Gründe hierfür an: Schweinerei, dass es keine Volksabstimmung gab, wir werden übergangen, werden nicht gefragt. Viel zu teuer. Der Schlosspark, die Bäume, das soll stehen bleiben. Ein Durchgangsbahnhof ist total ungünstig. Streckenabschnitte, die Verspätungen garantieren. Weniger Gleise.

Ja, und jetzt? War ja schon länger klar.

Ich bin mir auch unschlüssig darüber, ob ich es verlogen finden soll, wenn man plötzlich mehrmals die Woche vor dem Hauptbahnhof steht und demonstriert, sich ungerecht behandelt fühlt, wenn’s einen davor echt nicht gejuckt hat. Ich hab das Gefühl, da haben sich einige was zu ihrer Lebensaufgabe gemacht, weil sie sonst nichts zu tun haben.

Oder – soll man sich sagen: besser spät demonstrieren als nie?

Verlogen finde ich auch, wie das Projekt für die Landtagswahl nächstes Jahr instrumentalisiert wird – aber gut, wer würde sich das jetzt nicht zu Nutze machen oder: wer hat keinen Schiss davor, weniger das Sagen zu haben. Es widert mich an.
Problematisch ist in der Hinsicht, dass viele Stuttgarter sehr viel von diesem Projekt abhängig machen, weshalb es ja auch als die „gewünschte Volksabstimmung“ gilt. Was machen, wenn man eigentlich CDU wählt, aber gegen Stuttgart 21 ist? Vielleicht wählt man besser gar nicht. Oder: vielleicht die Grünen oder gar die SPD, die ja gerade total nach dem Willen des Volkes handelt. Die sind gegen Stuttgart 21, wählt man aber sonst nie. Und nachher sitzen die im Landtag, und oh, die können auch nichts mehr an Stuttgart 21 ändern. Lasst das Volk sprechen.

Ich bin inzwischen irgendwie überreizt von den Diskussionen um Pro und Contra, den Parkschützern im Schlosspark, die sich an einen Baum ketten, dort zelten, singen oder beten. Es hilft uns allen irgendwie nicht weiter, dass Thema in den politischen Late-Night-Shows breit zu treten, weil jeder dem anderen die Schuld in die Schuhe schiebt.
Und diesen ganzen Argumente, die viele nachplappern. Die von der Gegenseite ausgebremst werden, was auch wieder viele nachplappern. Da weiß man doch schon gar nicht mehr, was eigentlich stimmt, und was nicht.

Man redet immer über das Gleiche, „im Kreis“, und nix kommt dabei rum. Und selbst wenn es diesen so genannten runden Tisch irgendwann mal gäbe, wenn sich beide Seiten nicht so anstellen würden, wäre ich echt gespannt, was die uns Neues erzählen und worin die Lösung besteht.

Das soll nicht heißen, dass ich für das Projekt bin, ehrlich gesagt bringt es einige Nachteile mit für mich persönlich, Behinderungen im Nahverkehr während der Bauzeit (immerhin über zehn Jahre) und eine ewige Baustelle in meiner Stadt. Und ob ich danach einen Vorteil im Nah- und Fernverkehr habe, ist die Frage.

Keine Ahnung, wo das enden wird. Ich bin mir recht sicher, dass die das Ding da hinstellen werden. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Gedenktag des Tages: Deutscher Weltkindertag.

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Die gespaltene Stadt

20. September 2010 um 13:14 Uhr

Stadt, Ärgernis

7

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neulich stolperte ich über den Trailer des „Facebook-Films“ der da heißt „The Social Network“. Im ersten Moment dachte ich, wer denn auf die Idee käme, einen Film über die Entstehung eines soziales Netzwerk zu drehen (David Fincher, übrigens) – aber wenn man bedenkt, wie viel „Einfluss“ Facebook auf unser Leben nimmt, ist die Überlegung gar nicht mehr so abwegig.
Ich klickte mich, um ein wenig mehr Informationen zu erhalten (sorry, hab mich jetzt echt noch nicht für die Entstehung von Facebook interessiert), auf Wikipedia durch die Links, und las unter anderem den Artikel zu Mark Zuckerberg, Mitgründer von Facebook, in dem Folgendes stand:

Anfang des Jahres 2010 erklärte Zuckerberg in einem Interview mit Mike Arrington von TechCrunch, dass er „Privatsphäre“ nicht mehr zeitgemäß findet. Er begründete seine Ansicht damit, dass die Privatsphäre inzwischen ein überholtes Konzept sei, da mehr und mehr Nutzer immer mehr von sich persönlich im Internet preisgeben.

Ich beschäftige mich, wie den meisten schon aufgefallen sein sollte, immer mehr mit dem Thema – deswegen widert mich diese Aussage auch tierisch an. In erster Linie deshalb, weil sie von einem Mitgründer des momentan größten Social Networks stammt, einem Bereich des Internets, in dem das Thema Privatsphäre eine große Rolle spielen sollte.
Wenig Privatsphäre wäre für mich ein wichtiger Faktor, um mich definitiv nicht anzumelden. Warum? Weil ich die Möglichkeit haben will, mich Freunden/wasauchimmer mitzuteilen, ohne dass die ganze Welt es erfährt. Und Facebook ist dafür recht praktisch, das muss man dem Unternehmen schon lassen. Es gibt nichts Vergleichbares.

Eigentlich waren mir die AGB bei Facebook, als ich dort noch angemeldet war, recht „egal“, sag ich mal. – Okay, die haben meine E-Mail-Adresse. Oh, komisch, Facebook schlägt mir einfach so Freunde vor – die ich auch noch kenne! Wie das denn? Ach, was soll’s … Und die personalisierte Werbung. Wayne! Und überhaupt ständig das Umstellen der Privats- und Anwendungseinstellungen, so dass andere doch plötzlich meine Fotos sehen. Ja, mein Gott, stell ich das halt wieder um. Und überhaupt, sollen die doch die Urheberrechte daran bekommen. Und, äh, die lesen mein Adressbuch aus, wenn ich Facebook fürs Handy installiere?

Inzwischen bin ich nicht unglücklich darüber, da raus zu sein, weil ich echt nichts verpasse im Leben, wenn ich dem Verein fernbleibe. Mal abgesehen von der Datenschutz-Thematik: es raubt Zeit (in meinem Fall definitiv).1

Ich kenne eigentlich keinen Internet-Nutzer (abgesehen von denen, die bewusst ihren Namen ins Netz stellen, um einen größeren Bekanntheitsgrad zu erlangen und, ja, „Internet-Newbies“2), der achtlos mit Daten und Fakten rund um seine Person im Internet um sich wirft. Ich behaupte sogar das Gegenteil, nämlich, dass verstärkt mehr Menschen auf ihre Privatsphäre im Internet achten, weil sie sich bewusst sind, dass das Internet nichts vergisst und es von immer mehr Menschen genutzt wird. Manche mehr, manche weniger.

Klar ist der Mensch seit dem Internet öffentlicher geworden und verbreitet mehr Informationen über sich im Netz. Anfangs noch, in Gästebüchern mit vollem Namen. Ich erinnere mich auch an die Anfangszeit der Blogs, überwiegend privat, die lustig und munter über alles bloggten, was ihnen in den Sinn kam. Das gibt es so auch kaum noch. Weil sich der Blogger über die Konsequenzen bewusst wurde. Auch ich gehöre dazu.

Abschließend bleibt zu sagen, dass für einen Menschen wie Mark Zuckerberg Privatsphäre sowieso etwas anders definiert ist als die Privatsphäre eines Otto-Normalbürgers, da er ständig in der Öffentlichkeit steht. Deswegen darf man das Ganze aber keinesfalls abwerten. Ein Grundrecht als „nicht mehr zeitgemäß“ zu nennen – also, wenn wir mit dem Internet in die Richtung gehen, steige ich aus.

Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Venezuela. (Ich lese immerzu „Vuvuzela“.)


  1. Und es hat die Zahl der Blogeinträge beträchtlich gesenkt: Denn was ich auch „kurz“ los wurde: es war gesagt, und bedurfte keiner längeren Ausformulierung. Genau so bei Twitter, das ich primär nutze, um Leute auf neue Blogeinträge aufmerksam zu machen und ab und an auch auf meine Ungeschicklichkeit in allen Bereichen des Lebens. (Meine Twitter-Affinität hält sich aber auch in Grenzen.) Doppelt geposteter Content ist auch etwas Unnötiges.
  2. Eigentlich ist es schon fies mit den Privatsphäre-Einstellungen. Leute, die mit dem Internet beziehungsweise Social Networks nicht wirklich vertraut sind, sind also von vorne herein „gläsern“, da sie das meiste, was eingesehen werden kann, für alle freigegeben haben. Nicht bewusst meist. Gerade bei Social Networks ist es daher wichtig, zu bestimmen, wer wie viel sehen, und dem User zu vermitteln, wie er was einstellen kann und nicht die Unwissenheit mancher auszunutzen.

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man könnte denken, nach der Ausbildung sei man darauf vorbereitet, alles handhaben zu können. Mal abgesehen von der fehlenden Berufserfahrung. Was aber, wenn man eigentlich gar nicht so viel kann, wie man können sollte?

Wenn man Mediengestalter als Ausbildungsberuf wählt, sollte man eine gewisse Affinität zu den Medien selbst haben – natürlich, ein Auge für das Schöne (oder auch: ein wenig Talent) und Erfahrung mit den gängigsten Programmen. Das sind die besten Voraussetzungen, die man selbst mitbringen kann.

Um eine optimale Ausbildung zu erhalten, sollte man sich einen Betrieb suchen, der einen mit allem vertraut machen soll. Ich kann für meine Fachrichtung sprechen: Mediengestalter, Schwerpunkt Digital, Fachrichtung Gestaltung und Technik. Das heißt im Klartext, man sollte den Umgang mit Flash lernen, HTML und CSS, programmieren, bisschen Druckvorstufe, Screendesign für Webseiten und andere digitalen Anwendungen. Ein Mediengestalter ist nicht nur ein Grafiker, wie viele denken. Oder „nur ein Webdesigner“. Ein Mediengestalter ist im besten Falle jemand, der von allem etwas kann. Oder böse gesagt: jemand, der eigentlich von nichts richtig gut kann. Daher ist es wichtig, sich auf etwas zu spezialisieren.

Meine Fachrichtung ist die, die am meisten ausgebildet wird.

Die praktische Prüfung besteht darin, dass man im ersten Schritt eine Webseite entwirft nach gewissen Vorgaben, und diese schließlich umsetzt. Bei meiner Fachrichtung ist es dann noch so, dass man etwas programmieren muss. In meinem Fall war das ein Konfigurator, im Fall meiner Mit-Kollegen war das jetzt ein Gewinnspiel.
Die theoretische Prüfung ist jetzt nicht wirklich erwähnenswert, weil man schließlich alles auswendig lernen kann. Und was den fachtheoretischen Teil betrifft: Wer da nun wirklich keine Ahnung hat, kann sich das Mediengestalter-Kompendium durchlesen. Alles nur eine Frage der Zeit, nicht des Könnens.

Zugegeben ist es auch nicht ganz einfach, alles zu wissen und zu meistern. Es ist keine Schande, einen Bereich weniger zu beherrschen und sich Hilfe zu holen oder sich beraten zu lassen. Aber jemand, der jetzt im Betrieb das ganze Jahr nur Bildretusche macht, kann weder das Screendesign entwerfen, noch umsetzen, geschweige denn das Gewinnspiel programmieren. Es gibt bei uns auch Fälle, in dem die Leute von ihrem Betrieb komplett für den falschen Ausbildungsberuf angemeldet wurden. Wie ein Mitschülers von mir, der im Grunde nichts mit Web zu tun hatte, sondern nur 3D-Modelle entwickelte, und so gut wie gar nichts in Bezug auf den gewählten Beruf kann. Und solche stehen dann wie die letzten Idioten vor ihren Prüfungsaufgaben. Im Endeffekt heißt das, entweder verkacken oder andere machen lassen. Und so kommt man dann zu einem Wisch, der beweisen soll, dass man alles mit Bravour gemeistert hat. Und eigentlich gar nichts aussagt.

Ich hatte das Glück, dass mich mein Betrieb angemessen ausgebildet hat, und ich alles gelernt habe, was man so lernen sollte. Aber ganz ehrlich, welcher Azubi schaut sich seinen Betrieb von vorne herein so genau an, dass er mit Sicherheit wissen kann, es ist der richtige? Die meisten sind froh, endlich einen Ausbildungsplatz bekommen zu haben und haben sonst auch keine richtige Ahnung, wie alles ablaufen muss, damit man perfekt ausgebildet wird.

Eine Ausbildung garantiert kein profundes Grundwissen. Nur die Erkenntnis, dass man das, was man lernen und sein will, selber in die Hand nehmen muss, wenn einem Steine in den „Ausbildungsweg“ gelegt werden. Eigentlich eine traurige Sache. Nicht, dass man Dinge selber in die Hand nehmen muss, sondern dass man zwei bis drei Jahre in etwas investiert, mit dem man so verdammt viel Pech haben kann – und auch noch Einfluss auf die Zukunft nimmt.

Gedenktag des Tages: Staatsfeiertag in Kroatien.

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