Archiv der Kategorie Die Welt

immer öfters laufe ich in letzter Zeit einem Typ Menschen über den Weg: intolerant, respektlos und ignorant.

Das sind diese Art von Menschen, die ich meist nachts in der letzten Stadtbahn oder Bus nach Hause antreffe, meist auffindbar in Rudeln, die sich nie so benehmen, dass sie nicht auffallen: Laute Musik, dieser neumodische Deutsch-Türkisch-Slang, gegenseitiges Beleidigen, Phrasen, als hätten sie keine anderen Kommunikationsmöglichkeiten.

Oft wollen sie von der restlichen Menschheit überhaupt nichts wissen. Prügeln sich aus Spaß, beleidigen sich aus Spaß, ohne dass andere miteinbezogen werden. Dass das auf Dauer natürlich nervt, ist klar. Trotzdem überlegt man sich als „normaler“ Mensch schon zwei Mal, ob man diesen Typus darauf aufmerksam macht, wo denn seine Grenzen sind. Denn wer etwas sagt, hat oft ganz schnell ein blaues Auge.

Schlimmer sind die Leute, die wirklich auf Provokation aus sind. Die nicht „Spaß“ unter sich wollen, sondern andere Leute bewusst an ihre psychische Grenze treiben. Da kann es wirklich sehr, sehr schnell ernst werden. Man sagt ja, „man kann über alles reden“, was bei dieser Art Mensch aber definitiv NICHT zutrifft.

Gestern Abend war ich noch in Stuttgart. Um 3.33 Uhr fuhr der letzte Nachtbus.

Als der Bus schon eine Weile fuhr, zündeten sich drei Kerle, so um die zwanzig herum, ihre Kippen an. Anfangs sagte keiner noch was, ich schüttelte auch nur den Kopf. Etwas später war der Geruch so penetrant, dass zwei, drei Leute die Jungs baten, doch bitte ihre Kippen auszumachen und einer sich an den Busfahrer wandte, der durch eine Durchsage die Jungs bat, ihre Kippen auszumachen. Die Kippen machten sie letztendlich irgendwann aus, nur war der, der die Jungs als erstes bat, die Kippen auszumachen, das Opfer. Unglücklicherweise saß er auch quasi direkt neben dem Störenfried.

Er wurde angemacht. „Masch Du misch an, Du Mongo? Du Missgeburt! Was willsch Du? Du Fisch, Du! Ich geb Dir gleiche eine, Du Wichser!“ Die anderen ebenso. Bitten: hilflos. Man saß danach ebenso in der verbalen Schusslinie und wurde aufs Übelste beleidigt. Die Typen kamen gar nicht mehr runter. Waren total aggressiv, schrien herum. „Willsch du Dich prügeln? Komm, lass uns rausgehen, isch schlag Disch, dass Du nicht mehr gehen kannst!“

Als das alles noch verbal zuging, hielten sich die Mitfahrer im Bus zurück, aber als der Unruhestifter dem einen eine mitgab, mischten sich doch einige ein. Das Ganze artete aus. Der Freund des Geschlagenen mischte sich ein und bat den Raucher, seinen Kumpel doch bitte in Ruhe zu lassen. Sinnlos. Irgendwann waren alle so mit Wut aufgeladen, dass sie aufeinander einprügelten, und die anderen sich Mühe gaben, die beiden Gruppen auseinander zu halten. Immer wieder hauten sich alle gegenseitig in die Fresse.

Zwei Typen wurden mit Hilfe und einen Tritten einiger anderen letztendlich aus dem Bus geworfen. Der Dritte hatte etwas später noch Terz gemacht, einem ein blaues Auge geschlagen und dem anderen blutige Lippen.

Die Bullen kamen, Anzeigen wurden erstattet. Der, der die Randalierer kannte, hatte ihre Namen, so weit ich weiß, nicht genannt. Nur gemeint, er würde sie noch erkennen, wenn es darauf ankäme.

In solchen Situationen fühlt man sich doch recht hilflos. Soll man einschreiten? Soll man es lassen? Wie soll ich handeln? Was wäre passiert, hätte man die Typen gänzlich ignoriert? Sie die Kippen rauchen, den Typen psychisch fertig machen lassen. Wäre das besser gewesen? Wäre dann weniger passiert? Hätte sich alles gelegt? Oder hätten die dann bewusst irgendwann mal zugeschlagen? Was ist die perfekte Lösung?

Ich habe mir die Frage natürlich auch gestellt. Ich habe mich schon zwei Mal in ähnliche Situationen eingemischt, und jedes Mal derbe eine mitbekommen, und bin seitdem einfach sehr ängstlich und „gelähmt“, wenn sich eine Situationen in diese negative Richtung entwickelt. Es gibt vieles, das ich mir schon anhören durfte, als ich nachts mit der Stadtbahn nach Hause fuhr. Das kratzt einfach an der Persönlichkeit. Zugegeben überlege ich lange, bis ich mich einmische. Aber einfach wegschauen, wie jemand verprügelt wird, könnte ich nicht. Ich denke dabei dann aber nicht mehr: Ich handle aus Affekt. Ich bewundere alle, die so mutig sind, gleich etwas zu sagen, die sich gleich bewusst einmischen. Das ist Zivilcourage.

Ich bin froh, dass es gestern nicht so weit kommen musste, dass es genug gab, die zusammenhielten, einer, der anfing, etwas zu sagen, und somit der Mut, selber etwas zu sagen, größer war, als wenn man alleine gegen alle steht. Das hilft ungemein. Schade, dass oft keiner etwas sagt, und somit die Hemmschwelle für andere zu groß ist.

Ich frage mich einfach, warum so etwas passieren muss. Ob diese Menschen kein Gefühl für Recht haben, für den Schmerz, den sie anderen zufügen. Ob sie bewusst die Grenze überschreiten oder so von Wut erfüllt sind, dass sie blind vor Wut auf alles einprügeln, was sich ihnen in den Weg stellt.

Ich verstehe das einfach nicht.

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Zivilcourage

23. Dezember 2007 um 15:08 Uhr

Die Welt, Retrospektive

21

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ich schaue mir die European Music Awards eigentlich schon immer gerne an, weswegen ich heute auch gegen acht Uhr auf MTV geschalten habe. Nachdem erst Avril Lavigne mit ihrer Performance dran war – die aus ein bisschen auf der Stelle herumtreten und der Präsentation ihrer langweilisten Singleauskopplung bestand, die sie je veröffentlicht hat –, dann My Chemical Romance ein noch langweiligeren Song präsentierten, war dann mein persönliches Highlight Amy Winehouse.
Ich musste ja noch schmunzeln, als Snoop Dogg sie mit „Und heute ist sie nicht auf einer Entziehungskur, sondern hier!“ ankündigte, aber als ich sie dann sah, dachte ich mir, die Entziehungskur hätte ihr sicher mehr gut getan als dieser Auftritt, den sie da hinlegte.

„They tried to make me go to rehab, but I said no, no, no.“ Tja, schade.

Ihr Versuch, lasziv zu tanzen, ging absolut in die Hose, abgesehen davon, dass ich NICHTS, aber auch GAR NICHTS verstand, was sie überhaupt sang. Das Gebrabbel erinnerte mich an Kleinkind, das gerade sprechen lernt. Bravo! Gesegnet seien die Background-Sänger. Ohne die wär’s wohl richtig peinlich geworden. Sehr schade, denn die Stimme hat sie eigentlich.

Obwohl ich Videos in Blogbeiträgen nicht mag, poste ich hier ausnahmsweise. Das muss man echt mal gesehen haben. Sehr gut nachvollziehen kann man das Ganze, das ich gerade beschreibe, ab Stelle 2:35.

Danach habe ich abgeschalten.

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European Music Awards

2. November 2007 um 21:21 Uhr

Bizarres/Komisches, Die Welt

15

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Free Burma

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Free Burma

4. Oktober 2007 um 19:25 Uhr

Die Welt

6

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Ah ja. (Ah ja!)

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Aha?!

18. September 2007 um 11:06 Uhr

Die Welt, Kurz & knackig

10

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heute ist es mal wieder so weit: Tausende von Ravern torkeln total high nach Berlin, um auf der Loveparade das Tanzbein zu schwingen. Hm. Nee, Berlin? Nein. Essen. Im Ruhrpott. (Ich hab was gegen den Ruhrpott. Seit Tic Tac Toe, einem Ex-Freund und der Drei-Sektoren-Hypothese.)

Abgesehen davon finde ich es total peinlich, dass die Hymne 2007 nach einem ehemaligen Top-Ten-Hit der schmierigen Boyband der Neunziger Caught in the Act benannt wurde.

Damals, als ich 2003 völlig nüchtern und minderjährig das Tanzbein auf der Loveparade schwang, war die Welt noch in Ordnung. Da war die Loveparade noch in Berlin, das Motto und die Hymne waren kein Abklatsch von einem Boyband-Titel klangen dafür aber total nach Flower-Power und die Grünflächen des Tiergartens wurden eingezäunt.

Und überhaupt war früher alles besser als heute. -.-

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Loveparade

25. August 2007 um 13:35 Uhr

Die Welt

28

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