Archiv der Kategorie Ego & I

Rotes Haar, wunderbar.

Ich bin jetzt rot.

mal wieder, ich war schon mal rot. Ist aber länger her, etwa, hm, zehn Jahre. Und das war nicht mal das Schlimmste, das meine Mutter mitmachen musste. Wir hatten eigentlich alles schon: rot, grün, blau und pink.

Mit pink, das ist so eine Geschichte. Meine Schwester, damals zehn, hatte sich die Haare blond gefärbt. Und weil ihr und mir so furchtbar langweilig war, kauften wir uns eine Packung pinke Haarfarbe. Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment: meine Schwester und ich saßen auf der Eckbank, als meine Mutter abends vom Einkaufen zurück kam. Sie schrie auf und ließ die Tüte fallen.
Irgendwann fand sie es allerdings ganz praktisch, weil man ein kleines Mädchen mit pinken Haaren nicht so leicht verlieren kann. (Und meine Schwester kann man immer leicht verlieren.) Und auch als meine Schwester ihre Kommunion hatte und mit ihrer Kerze gen Altar schritt, ging sie unter all den mit weißen Kutten bekleideten Kindern nicht unter.

Das mit den blauen Haaren ist eigentlich weniger spektakulär. Meine älterer der beiden Brüder hatte noch Taschengeld über (äh!), sich die Haare blau zu färben. Ich glaube, er war so zwölf oder dreizehn. Und ich weiß, man könnte jetzt denken, unsere Familie sei total übergeschnappt. Ist sie auch. Von der blauen Farbe wussten meine Eltern auch noch nichts, bis zum Zeitpunkt, als sie es sahen. Aber irgendwie waren sie abgehärtet.

Wer völlig unfreiwillig seine Haare gefärbt bekam, war mein ganz kleiner Bruder. Und unsere Hunde. Er, also, mein Bruder, war damals neun, und nein, keine Sorgen, es war nur blond. Ich war gerade dabei, mir das Haar zu blondieren, um mir später ein knalliges Rot färben zu können. Da stand er gerade so da, also wuschelte ich mit meinen mit blonder Farbe verschmierten Handschuhe durch das braune Haar meines Bruders. Erst war er geschockt. Dann weinte er. Dann versuchte er es mit Schadensbegrenzung, und färbte sich das Haar gleich ganz blond – so ein blonder einzelner Fleck sieht schließlich blöd aus. Und regelmäßige Selbst-Färber wissen: es wird nie blond. Es war ein gelb-orange. Er sah aus wie Eminem mit neun. Er hasst mich bis heute noch dafür.

Unsere Hunde bekamen beide einen roten „Inder-Punkt“ auf die Stirn. Das sah lustig aus, fanden auch alle. Mein Vater nicht so.

Jetzt am Wochenende, nachdem meine Haare seit Jahren nicht mehr von Chemikalien strapaziert wurden, haute ich mir gleich vier Mal Farbe auf das Haar, bis mir die Kopfhaut von meinem Haupt bröckelte.

Wieder rot, weil es so schön war.

Gedenktag des Tag: Unabhängigkeitstag in Brasilien.

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Schüttel Dein Haar für mich.

7. September 2010 um 16:43 Uhr

Ego & I

25

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ich komme von meinem allerersten Junggesellinnenabschied nach Hause, und bekomme eine Mail, das mein Blog heute sechs Jahre alt geworden ist. Scheiße, meine Freundinnen, die alle jünger sind als ich, fangen an zu heiraten, ich bin nicht mal ansatzweise schwanger, vergesse aber, dass mein Blog heute Geburtstag hat. Ich weiß nicht, wo das hinführt. Vielleicht zur Torschlusspanik oder schlimmstenfalls Midlife-Crisis.

Früher hätte ich zu diesem Anlass ein neues Layout gebastelt, die Stunden und Minuten gezählt, runter bis Null. Heute erfahre ich per Mail, dass ich vielleicht einen Artikel schreiben soll, der das Jubiläum irgendwie beschreibt. Ich bin ja so offline, das ist der Wahnsinn. Hätte ich das damals vor sechs Jahren gewusst.

Heute vor sechs Jahren war ich achtzehn Jahre alt, in der elften Klasse auf dem Wirtschaftsgymnasium (oh mein Gott!) und wusste nicht, wo mich das Leben hinbringen wird. Ich erzählte Euch alles über mich, meinen damaligen Freund, meine Geschwister und das ich unglaublich gerne Zelda spielte. Ich schrieb Artikel über Themen, die ich ich heute verabscheue – diese Tagebucheinträge, was ich den Tag über gegessen hatte – und finde, dass ich unglaublich erwachsen geworden bin. In noch mal sechs Jahren lache ich darüber.

Heute vor drei Jahren war ich einundzwanzig Jahre alt, zog das erste Mal von zu Hause aus, und begann meine Ausbildung. Ich erzählte Euch alles über mich, meine Arbeit, dass wir Bier ab fünf tranken und ich das erste Mal Nike-Schuhe von meinem ersten Gehalt kaufte (was meinen Vater unglaublich stolz machte, wahrscheinlich). Ich schrieb Artikel über Themen, die ich mich heute nicht mehr getraue zu schreiben – Artikel über die Arbeit, weil nicht jeder Arbeitgeber gerne darüber liest, und weil ich darüber nachdenken muss, wer diese Artikel in Zukunft liest.

Heute, vor etwas mehr als einem halben Jahr, bekam ich mein erstes volles Gehalt, zog ich in meine erste eigene Wohnung in eine Stadt, in die ich inzwischen liebe, die ich kennen gelernt habe, als ich voller Hoffnung war, voller Verzweiflung, fröhlich, am Boden zerstört, voller Liebeskummer und letztendlich voller Liebe. Und Angst. Wenn man erst mal irgendwo ankommt, ist die Angst trotzdem da, es zu verlieren.

Heute bin ich vierungzwanzig Jahre alt, sitze hier, vor etwas, das ich vor sechs Jahren durch Zufall erschaffen habe. Ein Blog, der schon sechs Jahre von diversen Leuten mitverfolgt wird, der nicht übermäßig populär wurde, aber auch nicht zu etwas, mit dem ich mich nicht mehr identifizieren kann. Ich liebe diesen Ort – hier zu schreiben. Alles Gute zum sechsten Geburtstag, Station57.

Gedenktag des Tages: Maria Königin.

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Das Jubiläum

22. August 2010 um 01:11 Uhr

Blogosphäre, Ego & I, Station57

30

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als vor knapp einem Jahr Laktoseintoleranz bei mir festgestellt wurde, dachte ich eigentlich nicht, dass das mein Leben wesentlich beeinflussen würde. Und wer mich kennt, weiß, dass mich so gut wie nichts wirklich aus der Fassung bringt und ich das meiste auf die leichte Schulter nehme – das mit der Laktoseintoleranz habe ich auch als typische Modekrankheit abgetan, die gerade jeder zu haben scheint. Mit der Zeit wurde ich eines besseren belehrt, und wenn ich heute was Ernst nehme, dann die Reaktionen meines Körpers.1

Ich habe inzwischen festgestellt, dass ich zwar ein, zwei Joghurtlöffel oder Stückchen Käse vertrage, aber mit übermäßigem Verzehr von Milchprodukten langsam tun sollte. Im Prinzip hat man als Laktoseintoleranz-Mensch folgende Möglichkeiten:

  • Man verzichtet auf Milchprodukte. Ist auf Dauer aber nicht wirklich zu empfehlen und schränkt einen ganz schön ein.
  • Man verwendet laktosefreie Produkte. Gibt es immer mehr in den Supermärkten zu kaufen, aber deckt halt noch nicht alles an Milchprodukten ab.
  • Man nimmt vor laktosehaltigen Mahlzeiten Tabletten ein, die das Enzym Lactase ersetzen und den Milchzucker abbauen.
  • Man isst einfach die ganze Zeit Chinesisch, yammi.

Ich habe gelernt, welche Gerichte Laktose enthalten und einen Rhythmus entwickelt, wann und wie viel ich wovon esse und vertrage. Das fängt beim Frühstück an:
Beim Frühstück lasse ich alles, das Laktose enthält, von vorne herein weg. Auf nüchternen Magen hilft nicht mal eine Tablette – ging eigentlich immer schief, so dass ich morgens beispielsweise Käse oder heiße Schokolade komplett meide. Für Butter habe ich früher Margarine als Substitut genutzt, heute gibt es die laktosefrei.

Mittags, wenn wir essen gehen oder bestellen, versuche ich Gerichte mit Käse oder Sahne zu vermeiden. Eine Tablette hilft zwar beim Verarbeiten der Laktose, leider kann man bei den Gerichten oft nicht wissen, wie viel Käse oder Sahne verkocht wurde, so dass eine Tablette oft nicht ausreicht oder man eben mehr als nötig verbraucht. Die Tabletten sind preislich ganz okay (sechzig Tabletten bei knapp siebzehn Euro bei den stärksten), müssen aber auch nicht im Unverstand verbraucht werden.

Wenn man selbst kocht, ist das Ganze wieder etwas einfacher. Ich handle es so, dass ich, falls vorhanden, laktosefreie Produkte kaufe, die mit nicht laktosefreien Produkten kombiniere (wenn nötig) und mir dafür eine Tablette einwerfe. Anfangs ist man erstaunt, in wie vielen Gerichten Milchprodukte verwendet werden, man lernt aber schnell, umzudenken. Die laktosefreien Produkte sind zwar etwas teurer und schmecken pur etwas süßer, weil die Lactase schon in Glukose und Galaktose gespalten wurde, das wirkt sich aber nicht auf das fertige Gericht am Ende aus. Schmeckt wie sonst auch.

Hier ein Satz, der ein Fazit darstellen soll.

Und morgen im Mach-das-Leben-besser-Ratgeber: Den Chinesen um die Ecke überzeugen, ohne Glutamat zu kochen.

Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Afghanistan.


  1. :kls

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ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, wie schlimm das in anderen Städten so ist, aber in Stuttgart kann man am Wochenende keinen Schritt in die Stadt machen, ohne einer Gruppe von Heiratswilligen plus deren Anhängsel über den Weg zu laufen, die einem irgendeinen Scheiß andrehen wollen, den man weiß Gott überhaupt nicht brauchen kann.

Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, weshalb es alle so unglaublich amüsant finden, in der Stadt Leute anzuquatschen, Unterschriften auf weißen Leggins von Frauen zu sammeln und im Vollsuff irgendwo in der Theodor-Heuss-Straße abzuhängen. Und die T-Shirts! Die T-SHIRTS! Oh Mann. Ich sterbe jedes Wochenende mehr an Augenkrebs und dem Lesen von verblödeten Sprüchen.

Aufmerksame Leser wissen, dass ich dieses Jahr als Brautjungfer fungiere. Die Hochzeit findet im August statt, und zeitnah auch der Junggesellinnenabschied. Es wurde von diversen Menschen organisiert, umorganisiert, abgesagt, und letztendlich, nun, wer hätte es gedacht, findet der Junggesellinnenabschied in Stuttgart statt.

Das ist okay, Freunde heiraten schließlich nur ein Mal, da mache ich auch mit ohne zu meckern – ich trinke einfach das Doppelte von allen. Nur bei dem Kauf des Shirts musste ich leider die Spaßbremse spielen – ich ziehe mir nämlich kein Shirt an auf dem steht: „Und alle Bienen freuen sich.“1 (Bei der Braut steht übrigens: „Biene auf dem letzten Flug“, oder so etwas Ähnliches.) Erst recht nicht in einer Stadt, in der ich wohne. Es wird der Abend sein, an dem ich wahrscheinlich allen Menschen, die ich in Stuttgart so kenne, über den Weg laufen werde. Mit einem Haufen voller Bienchen.

Jaha, ich bin ja SO spießig! Mir egal, lasst mich.

Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Mazedonien.


  1. Sorry, M.

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Junggesellenabschiede in Stuttgart.

2. August 2010 um 15:57 Uhr

Bizarres/Komisches, Ego & I, Stadt

23

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Paris

… angeschnitten, über den Dächern von Paris. Bald mehr dazu.

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Ich, …

20. Juli 2010 um 09:53 Uhr

Die Welt, Ego & I, Kurz & knackig

7

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