Archiv der Kategorie Ego & I

neulich stolperte ich über den Trailer des „Facebook-Films“ der da heißt „The Social Network“. Im ersten Moment dachte ich, wer denn auf die Idee käme, einen Film über die Entstehung eines soziales Netzwerk zu drehen (David Fincher, übrigens) – aber wenn man bedenkt, wie viel „Einfluss“ Facebook auf unser Leben nimmt, ist die Überlegung gar nicht mehr so abwegig.
Ich klickte mich, um ein wenig mehr Informationen zu erhalten (sorry, hab mich jetzt echt noch nicht für die Entstehung von Facebook interessiert), auf Wikipedia durch die Links, und las unter anderem den Artikel zu Mark Zuckerberg, Mitgründer von Facebook, in dem Folgendes stand:

Anfang des Jahres 2010 erklärte Zuckerberg in einem Interview mit Mike Arrington von TechCrunch, dass er „Privatsphäre“ nicht mehr zeitgemäß findet. Er begründete seine Ansicht damit, dass die Privatsphäre inzwischen ein überholtes Konzept sei, da mehr und mehr Nutzer immer mehr von sich persönlich im Internet preisgeben.

Ich beschäftige mich, wie den meisten schon aufgefallen sein sollte, immer mehr mit dem Thema – deswegen widert mich diese Aussage auch tierisch an. In erster Linie deshalb, weil sie von einem Mitgründer des momentan größten Social Networks stammt, einem Bereich des Internets, in dem das Thema Privatsphäre eine große Rolle spielen sollte.
Wenig Privatsphäre wäre für mich ein wichtiger Faktor, um mich definitiv nicht anzumelden. Warum? Weil ich die Möglichkeit haben will, mich Freunden/wasauchimmer mitzuteilen, ohne dass die ganze Welt es erfährt. Und Facebook ist dafür recht praktisch, das muss man dem Unternehmen schon lassen. Es gibt nichts Vergleichbares.

Eigentlich waren mir die AGB bei Facebook, als ich dort noch angemeldet war, recht „egal“, sag ich mal. – Okay, die haben meine E-Mail-Adresse. Oh, komisch, Facebook schlägt mir einfach so Freunde vor – die ich auch noch kenne! Wie das denn? Ach, was soll’s … Und die personalisierte Werbung. Wayne! Und überhaupt ständig das Umstellen der Privats- und Anwendungseinstellungen, so dass andere doch plötzlich meine Fotos sehen. Ja, mein Gott, stell ich das halt wieder um. Und überhaupt, sollen die doch die Urheberrechte daran bekommen. Und, äh, die lesen mein Adressbuch aus, wenn ich Facebook fürs Handy installiere?

Inzwischen bin ich nicht unglücklich darüber, da raus zu sein, weil ich echt nichts verpasse im Leben, wenn ich dem Verein fernbleibe. Mal abgesehen von der Datenschutz-Thematik: es raubt Zeit (in meinem Fall definitiv).1

Ich kenne eigentlich keinen Internet-Nutzer (abgesehen von denen, die bewusst ihren Namen ins Netz stellen, um einen größeren Bekanntheitsgrad zu erlangen und, ja, „Internet-Newbies“2), der achtlos mit Daten und Fakten rund um seine Person im Internet um sich wirft. Ich behaupte sogar das Gegenteil, nämlich, dass verstärkt mehr Menschen auf ihre Privatsphäre im Internet achten, weil sie sich bewusst sind, dass das Internet nichts vergisst und es von immer mehr Menschen genutzt wird. Manche mehr, manche weniger.

Klar ist der Mensch seit dem Internet öffentlicher geworden und verbreitet mehr Informationen über sich im Netz. Anfangs noch, in Gästebüchern mit vollem Namen. Ich erinnere mich auch an die Anfangszeit der Blogs, überwiegend privat, die lustig und munter über alles bloggten, was ihnen in den Sinn kam. Das gibt es so auch kaum noch. Weil sich der Blogger über die Konsequenzen bewusst wurde. Auch ich gehöre dazu.

Abschließend bleibt zu sagen, dass für einen Menschen wie Mark Zuckerberg Privatsphäre sowieso etwas anders definiert ist als die Privatsphäre eines Otto-Normalbürgers, da er ständig in der Öffentlichkeit steht. Deswegen darf man das Ganze aber keinesfalls abwerten. Ein Grundrecht als „nicht mehr zeitgemäß“ zu nennen – also, wenn wir mit dem Internet in die Richtung gehen, steige ich aus.

Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Venezuela. (Ich lese immerzu „Vuvuzela“.)


  1. Und es hat die Zahl der Blogeinträge beträchtlich gesenkt: Denn was ich auch „kurz“ los wurde: es war gesagt, und bedurfte keiner längeren Ausformulierung. Genau so bei Twitter, das ich primär nutze, um Leute auf neue Blogeinträge aufmerksam zu machen und ab und an auch auf meine Ungeschicklichkeit in allen Bereichen des Lebens. (Meine Twitter-Affinität hält sich aber auch in Grenzen.) Doppelt geposteter Content ist auch etwas Unnötiges.
  2. Eigentlich ist es schon fies mit den Privatsphäre-Einstellungen. Leute, die mit dem Internet beziehungsweise Social Networks nicht wirklich vertraut sind, sind also von vorne herein „gläsern“, da sie das meiste, was eingesehen werden kann, für alle freigegeben haben. Nicht bewusst meist. Gerade bei Social Networks ist es daher wichtig, zu bestimmen, wer wie viel sehen, und dem User zu vermitteln, wie er was einstellen kann und nicht die Unwissenheit mancher auszunutzen.

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Ich

… auf Arbeit auf dem Balkon sitzend, aus gutem Grund ohne Kopf und Zitronen-T in der Hand, passend zu Schuhe und Rock.

Gedenktag des Tages: Peter und Paul.

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Ich …

29. Juni 2010 um 10:07 Uhr

Ego & I

22

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manchmal kommt man an einen Punkt, wo man so nicht zufrieden ist, wie alles läuft. Und das, obwohl sich prinzipiell nichts verändert hat.

Mir geht es so mit diesem Blog. Schon komisch, ich schreibe hier seit sechs Jahren regelmäßig. Ich meine, das muss man sich mal vorstellen. Sechs Jahre. Sechs Jahre privates Zeug. Ich habe ein viertel meines Lebens mehr oder weniger schriftlich festgehalten.

Ich liebe das Schreiben. Es ist meine persönliche Ausdrucksform, die Form, in der ich mich am liebsten mitteile. Andere malen, machen Musik, ich schreibe. Ich liebe das Schreiben, weil ich auf diese Art und Weise erzählen kann, was ich fühle. Was ich erlebt habe. Und – weil ich zugegebenermaßen nicht besonders wortgewandt bin, wenn es um das gesprochene Wort und komplizierte Dinge geht.

Wenn ich jetzt so zurückschaue und meine Einträge lese, scheint mir irgendwie alles so trivial. Und gleichzeitig so herrlich erfrischend. Ich habe vor mehreren Jahren einfach geschrieben, ohne nachzudenken. Und das ist das, was meine Blogeinträge immer ausgemacht hat. Dieses Unkomplizierte.

Ich habe nicht darüber nachgedacht, wer das liest. Ich habe nicht darüber nachgedacht, wer was über mich denken könnte. Und gleichzeitig erscheint mir das Geschriebene so weit weg, als hätte ich einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Als wäre ich über Nacht erwachsen geworden (was natürlich Unsinn ist).

Ich habe festgestellt: Ich kann nicht mehr so schreiben. Es ist einfach weg. Irgendwie ist diese Leichtigkeit verloren gegangen. Es ist in letzter Zeit so viel passiert, es hat sich viel ereignet, dass alles andere banal wirkt. Und das lässt keinen Platz, mich mit den kleinen, einfachen Dingen zu beschäftigen, zumindest momentan nicht.
Eigentlich nicht ganz übel. Oft fühlte ich mich hier wie das kleine Mädchen, dem alles Mögliche an ungeschickten Dingen passiert. Dinge, die jedem passieren. Die aber nicht jeder so breit tritt. Das führt schnell zu einem Bild von einem naiven ungeschickten Ding. Das ist lustig. Manchmal. Manchmal auch nicht. Je nach Stimmung.

Nun ja, lange Rede, kurzer Sinn: Ich weiß manchmal gar nicht mehr recht, wie ich hier mit diesem ganzen Dings umgehen soll, was ich schreiben will, wie ich es schreiben will. Deswegen bleibt der Blog gerade auch ab und an für mehrere Tage unbefüllt.
Ich habe manchmal Lust, ganz von vorne anzufangen. Thematik anders, Name anders, alles anders. Ich vergleiche das ein bisschen wie umziehen in eine neue Wohnung: man braucht einfach mal eine neue Umgebung, um sich irgendwie neu zu definieren und zu wissen, was man will. Oder Auszeit.

Ich weiß jetzt gar nicht genau, was ich damit sagen wollte. Ich denke, man kann gut herauslesen, dass ich unschlüssig bin. Ich lass das einfach mal so stehen.

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Wie, wo, was. Veränderung.

9. Juni 2010 um 19:33 Uhr

Ego & I, Station57

20

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Heimat

heute bin ich mal wieder in die Heimat gefahren. Als ich dort ankam, schmiss ich mich erst mal eine Runde in den Garten und las in der herunter knallenden Sonne. Da ich es aber ohne eine so richtige Aktivität in der Sonne nicht aushalte, und gleichzeitig aber in der Sonne bleiben wollte (Dilemma!), habe ich einfach mal unseren Rasen gemäht. Zwei Stunden lang. Da gingen richtig viele Nacktschnecken dabei drauf. Und Karmapunkte.

Weshalb ich aber eigentlich gekommen bin: wegen des Essens um endlich mal die Paris-Route für die fünf Tage Paris im Juli mit meinem Bruder festzulegen. Sind auch unglaublich weit gekommen – in den drei bis vier Stunden heute haben wir jetzt immerhin unseren ersten Tag geplant. Größtenteils ohne Metro-Nutzung unterwegs hatte ich die Idee, die ganze Strecke mit Inline Skates zurückzulegen, um meiner Orangenhaut entgegenzuwirken. Kleiner Scherz. Also, das mit den Inlinern.

Geplant für Montag, 12. Juli, hatten wir für Dinge wie das Centre Pomipdou, die Pont Neuf, mal das Rathaus abchecken, den Notre Dame und die Katakomben geplant. Der 13. Juli geht für Versailles drauf, der 14. Juli natürlich für die Militärparade auf der Avenue der Champs-Élysées – inklusive abhängen am Place de la Bastille und gegebenenfalls das Feuerwerk am Eiffelturm. Die anderen zwei Tage müssen wir noch detaillierter durchgehen – ich dachte da an einen Tag im Rotlichtviertel – will aber meinen jungen unschuldigen Bruder nicht verderben. Dafür hat man schließlich richtige Männer-Freunde.

Ich freu mich jetzt schon auf jede Menge französische Konversation. Meine Mutter würde jetzt wahrscheinlich sagen: „Deswegen habe ich Dich damals gezwungen, sieben Jahre Französisch zu lernen.“ Ich schätze mal grob, dass ich etwa fünfundneunzig Prozent aller französischen Vokabeln und eintrainierter Sätze vergessen habe. (Fünfundneunzig Prozent klingt sogar nach viel, war aber angesichts meiner Noten in diesem Fach und meines schlecht ausgeprägten Kurzzeitgedächtnisses recht übersichtlich. Uh, oh. Nein. Wo das rechnerisch hinführt.) Macht aber nichts, habe ja meinen Bruder dabei, der das jetzt drei Jahre gelernt hat. Noch ganz frisch bei ihm, sozusagen. Brrr.

Ich habe heute so viel organisiert wie in meinem ganzen Leben noch nicht. (Morgen kauf ich mir einen Organizer und übermorgen werde ich Manager.) In diesem Sinne werde ich nun dem Schlaf frönen.

Gedenktag des Tages: Tag der Sehbehinderten.

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Paris is burning.

6. Juni 2010 um 00:49 Uhr

Ego & I

10

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ausbildung/Berufsschule: Meine (Ex-)Klassenkameraden stecken derzeit mitten in ihren Abschlussprüfungen – ich wünsche allen viel Erfolg, die Themen sind die Prüfung echt gefühlt mieser als die letzten. Außerdem wünsche ich den ganzen Mediengestalter-Bloggern wie Marcel und Michi gutes Gelingen – tschakka!
Und während alle anderen noch pauken, habe ich mein erstes halbes Jahr Berufserfahrung gesammelt und irgendwie fühlt sich das nicht großartig anders an. Ich dachte eigentlich, die regelmäßige Schulzeit würde mir fehlen – aber kein Stück. Willkommen im Leben.

Ärgernis: Ich ärgere mich gerade nicht, ich bin glücklich.

Blogosphäre: Ja, ich muss zugeben, hier hat sich doch einiges geändert. Während ich mich früher in meiner Internet-Umgebung sehr wohl gefühlt habe, kommt es mir immer mehr vor, als gehörte (privates) Geschreibsel nicht mehr wirklich dazu. Das scheint wohl out zu werden. Themen wie Mode, Fotografie, Musik und Medien boomen. Oder polarisierender Kram, wo man so manche Grundsatzdiskussionen beginnen könnte. Oder übertrieben auffallen.

Die Welt/Musik: Wir sind Gewinner des Eurovison Song Contests 2010. Das ist fantastisch. Ich kenne Lena Meyer-Landrut von Blogeinträgen, Facebook und Twitter. Nie gehört oder mal gesehen. Hype ging mir dennoch derbe aufn Sack. Von Nicole habe ich immerhin MP3s. Schande über mich. Da sie jetzt aber auch haushoch gewonnen hat, habe ich mir mal ihren Song „Satellite“ gegeben – und kann endlich mitreden. Sie scheint ziemlich schlagfertig zu sein. Das ist cool. Also Glückwunsch und so. Da will ich echt nicht so anti sein. (Hör den Song ja jetzt nicht tausend Mal im Radio – wenn bisher noch nicht, dann auch in Zukunft nicht.1)

Ego & I: Ich habe mich bei Facebook abgemeldet. Jetzt, nach einem knapp halben Jahr, ist damit auch mal gut – wie bei allen Social Communities, denen ich irgendwann mal beigetreten bin. Gründe gibt es genug. Unter anderem dieses ständige Abhängen in Facebook (macht man ganz automatisch wenn man mal Leerlauf hat), dieser Drang, ständig da aktiv zu sein und ständig alles kommentieren zu müssen … Profilierung … Schwanzvergleich. Ihr wisst. Ich möchte Kontakt zu meinen Leuten (und in Facebook habe ich es ja letztendlich auf Leute beschränkt, zu denen ich auch persönlichen Kontakt habe) generell mehr aufs Persönliche ausweiten und weniger im Internet abhängen. Ich bin ja so im Wandel. (Morgen werde ich Veganer und übermorgen setze ich mich an den Bahnhof und demonstriere gegen Stuttgart 21.)

Kurz & knackig: Meine Philips G7000 kam endlich an.

Station57: Diese Retro-Wochen werden immer schlimmer. Das aktuelle Layout ist einfach nur so was von zum Reintreten und hinterher Draufspucken, ganz furchtbar.

Wohnen: Ich bräuchte mal so eine kleine IKEA-Lampe. Oder einen Lampenschirm. Vielleicht auch beides.

Zitate: „Es ist schön, jemanden zu haben, der einem dabei hilft, sich selbst besser leiden zu können.“ (Six Feet Under)

Gedenktag des Tages: Weltnichtrauchertag.


  1. Drei Mal „nicht“. Wohoo.

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Kategorischer Rückblick VII

31. Mai 2010 um 10:51 Uhr

Ego & I, Station57

17

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