Archiv der Kategorie Tagtägliches

mein Vater sagte früher immer: „Irgendwann, Jennifer1, wirst Du auch mal Gemüse essen. Und Salat. Und andere Länderspezialitäten, abgesehen von Pizza und Pasta beim Italiener.“ Damals wusste ich noch nicht, dass ein Italiener noch so viel mehr zu bieten hat.

Seit ich 2007 ausgezogen bin, hat sich mein Geschmack bezüglich des Essens sehr gewandelt. Ich kannte meine Gerichte, und aß auch nur die, die ich kannte. Kein Drang, etwas Neues zu probieren, wenn das Gewohnte schmeckt. Und alles verabscheuen, was man sonst so auch nicht isst. Gemüse. Salat. Eigentlich war es sogar sehr schwer, etwas für mich zu kochen, weil man ständig darauf achten musste, was ich essen wollte oder nicht.

Auch meine Kochkünste waren nicht sonderlich ausgereift. Okay, die Fertiggerichte-Schiene habe ich glücklicherweise sehr früh hinter mich gebracht – als sich meine Eltern vor zehn Jahren haben scheiden lassen, wusste man als Kind natürlich noch nicht wirklich, wie das mit dem Kochen so funktioniert, somit hat man sich dann mittags mit Tütenzeugs versorgt. War damals auch echt lecker, bis man feststellte, dass doch irgendwie alles nicht so toll schmeckt.

Wenn man in „die Welt hinaus geht“, lernt man, dass es auch noch anderes Essen gibt, wenn man sich darauf einlässt. Dass Leute anders kochen, dass es anders schmeckt. Ich weiß nicht, was mich letztendlich dazu bewegt hat, Neues zu probieren. Ich glaube, ich habe meine Liebe zum Essen entdeckt – und damit meine ich das nicht auf die Menge bezogen (ich hab schon immer viel und gerne gegessen, leider Gottes), sondern darauf, was und wie man isst.

Ich finde es beispielsweise furchtbar, wenn Leute nichts komplett Frisches hinbekommen und auf Tütenzeugs zurückgreifen. Wirklich. Aus welchen Gründen auch immer: keine Zeit, selbst zu kochen, ist alles so aufwändig, kostet viel Geld, blabla. Als ein Mensch, der gerne kocht, mit Genuss Gutes isst und auch genießt, kann ich damit überhaupt nichts anfangen. Umso mehr beeindruckt es mich, wenn Leute kochen können und es auch gerne tun.

Oder wenn man auswärts isst. Ab und zu mal Fast Food, okay, aber es gibt nichts Schöneres, als in einem guten Restaurant zu sitzen und was Leckeres zu essen. Fast Food beispielsweise gibt es bei mir eigentlich gar nicht mehr, und komischerweise habe ich auch nur noch selten Lust darauf. Leute, wie lange ich schon KEINE POMMES mehr gegessen habe, das wird mir hier ja echt keiner glauben.

Als ich heute einkaufen war, schaute ich in den Einkaufskorb und dachte mir: „Wow, Mädchen. Du hast wirklich einen kulinarischen Stock im Arsch. Alles Bio-Gemüse und -Obst, laktosefrei und fast kein Fleisch.“ Ich esse seit längerem sehr ungern Fleisch.

Meinen Vater habe ich sogar schon überrascht, als ich ihm etwas Asiatisches auftischte. Oder grünen Spargel. Oder Tomatensoße aus „richtig frischen Tomaten“. Ihn freute es, mein kleiner Bruder hat mich nur entsetzt angestarrt und den Spargel mit viel Getränk hinuntergespült.

Eines fehlt mir jetzt allerdings noch: dass ich Fisch esse. So weit bin ich dann doch noch nicht.

Gedenktag des Tages: Tag der Wohnungslosen.


  1. Er ist eigentlich so ziemlich der Einzige, der mich so nennt. Sogar meiner ehemaligen und sehr hartnäckig an dem Namen festhaltenden VWL-Lehrerin habe ich das abgewöhnt.

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Der kulinarische Wandel

11. September 2010 um 23:18 Uhr

Tagtägliches

10

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als vor knapp einem Jahr Laktoseintoleranz bei mir festgestellt wurde, dachte ich eigentlich nicht, dass das mein Leben wesentlich beeinflussen würde. Und wer mich kennt, weiß, dass mich so gut wie nichts wirklich aus der Fassung bringt und ich das meiste auf die leichte Schulter nehme – das mit der Laktoseintoleranz habe ich auch als typische Modekrankheit abgetan, die gerade jeder zu haben scheint. Mit der Zeit wurde ich eines besseren belehrt, und wenn ich heute was Ernst nehme, dann die Reaktionen meines Körpers.1

Ich habe inzwischen festgestellt, dass ich zwar ein, zwei Joghurtlöffel oder Stückchen Käse vertrage, aber mit übermäßigem Verzehr von Milchprodukten langsam tun sollte. Im Prinzip hat man als Laktoseintoleranz-Mensch folgende Möglichkeiten:

  • Man verzichtet auf Milchprodukte. Ist auf Dauer aber nicht wirklich zu empfehlen und schränkt einen ganz schön ein.
  • Man verwendet laktosefreie Produkte. Gibt es immer mehr in den Supermärkten zu kaufen, aber deckt halt noch nicht alles an Milchprodukten ab.
  • Man nimmt vor laktosehaltigen Mahlzeiten Tabletten ein, die das Enzym Lactase ersetzen und den Milchzucker abbauen.
  • Man isst einfach die ganze Zeit Chinesisch, yammi.

Ich habe gelernt, welche Gerichte Laktose enthalten und einen Rhythmus entwickelt, wann und wie viel ich wovon esse und vertrage. Das fängt beim Frühstück an:
Beim Frühstück lasse ich alles, das Laktose enthält, von vorne herein weg. Auf nüchternen Magen hilft nicht mal eine Tablette – ging eigentlich immer schief, so dass ich morgens beispielsweise Käse oder heiße Schokolade komplett meide. Für Butter habe ich früher Margarine als Substitut genutzt, heute gibt es die laktosefrei.

Mittags, wenn wir essen gehen oder bestellen, versuche ich Gerichte mit Käse oder Sahne zu vermeiden. Eine Tablette hilft zwar beim Verarbeiten der Laktose, leider kann man bei den Gerichten oft nicht wissen, wie viel Käse oder Sahne verkocht wurde, so dass eine Tablette oft nicht ausreicht oder man eben mehr als nötig verbraucht. Die Tabletten sind preislich ganz okay (sechzig Tabletten bei knapp siebzehn Euro bei den stärksten), müssen aber auch nicht im Unverstand verbraucht werden.

Wenn man selbst kocht, ist das Ganze wieder etwas einfacher. Ich handle es so, dass ich, falls vorhanden, laktosefreie Produkte kaufe, die mit nicht laktosefreien Produkten kombiniere (wenn nötig) und mir dafür eine Tablette einwerfe. Anfangs ist man erstaunt, in wie vielen Gerichten Milchprodukte verwendet werden, man lernt aber schnell, umzudenken. Die laktosefreien Produkte sind zwar etwas teurer und schmecken pur etwas süßer, weil die Lactase schon in Glukose und Galaktose gespalten wurde, das wirkt sich aber nicht auf das fertige Gericht am Ende aus. Schmeckt wie sonst auch.

Hier ein Satz, der ein Fazit darstellen soll.

Und morgen im Mach-das-Leben-besser-Ratgeber: Den Chinesen um die Ecke überzeugen, ohne Glutamat zu kochen.

Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Afghanistan.


  1. :kls

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Soul Coughing – Misinformed

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Musik-Tipp zum Samstag

12. Juni 2010 um 12:14 Uhr

Tagtägliches

5

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(…) und da ist ein Alter und mit dem kämen die ganzen Freunde und Kollegen und was würden die sagen und so setzt sich einer eine Grenze. Also vergisst er, und aus allem Tun schimmert sein Ziel; der Weg des geringsten Widerstands. Er fühlt, aber vergisst, fühlt, aber vergisst, fühlt, aber, scheiße nochmal, vergisst.

Kleinod auf Odyssee – Momentaufnahme. Aus der Kurzschluss-Reihe.

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Zitat

6. April 2010 um 17:23 Uhr

Tagtägliches

2

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es gab ungefähr seit tausenden von Jahren kein Stöckchen mehr auf der Station. Das hat sich geändert, weil stiller mir eines zugeworfen hat (es ist eigentlich viel mehr ein Award, aber Awards wirft man jetzt ja nicht einfach so um sich, ne). Deswegen bedanke ich mich dafür, und auch dafür, dass er mich als seinen Lieblingsblog genannt hat, wofür er jede Menge Geld bekommen hat er jetzt meine übergebliebene Schlager-CD haben kann, die ich seit dem 22. August 2007 versuche, jemandem anzudrehen. Ich übernehme seine Regeln, und hey, von einem Logo weiß ich nichts, deswegen habe ich einfach ein Bild von einem Käse eingebaut:

Käse
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Stöckchen #23 – Sieben

15. Oktober 2009 um 15:10 Uhr

Tagtägliches

15

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