Archiv der Kategorie WG-Leben

seit ich meine leeren Klopapierrollen selber entsorgen muss, weiß ich, was ich an meiner WG hatte. Gut, ich muss gestehen, dass ich das Leben alleine hier unverhofft gut fertig bringe, aber eine gute Gesellschaft kann natürlich durch nichts ersetzt werden.

In den fast zwei Jahren in meiner WG in Untertürkheim in der Türkenstraße hatte ich insgesamt fünf Mitbewohner, die kommen und gingen. Da wäre zum Beispiel Mitbewohner S. Nun ja, Mitbewohner S. ist der Einzige, der konstant dort gewohnt hat, was wohl daran liegt, dass er der Bruder von demjenigen ist, dem eigentlich die schnieke Wohnung gehört hat.
Mitbewohner S. hat man prinzipiell nie bemerkt, abgesehen von den Bergen an Geschirr, die er in der Küche hinterlassen hat. Und manchmal, wenn er betrunken vom Wasen kam. Und manchmal, wenn er ganz plötzlich den totalen Putz-Wahn bekam, und die ganze Wohnung geschrubbt hat. Was in der Zeit, als ich dort war, genau zwei Mal vorkam.
Trotz allem war Mitbewohner S. wirklich ein sehr angenehmer Mensch, der mir zum Beispiel aufgemacht hat, wenn ich mich (mal wieder) ausgeschlossen habe. Ausschließen kann man sich nie genug, und weil das so ist, habe ich es ja auch inzwischen mal geschafft, und zwar nach ganzen sechs Tagen wohnen in der neuen Wohnung. Und einer halben Stunde vor meiner Einweihungsparty Teil Eins. Immerhin hab ich am Vortag den Ersatzschlüssel im Geschäft gelassen. Hiermit danke ich gleich mal offiziell meinem Kollegen M.

Mitbewohner F. war der erste Mitbewohner neben Mitbewohner S. Mitbewohner F. hatte die Angewohnheit, immer eine Zeit lang das Gleiche zu essen. Anfangs hatte er ein Faible für Reis, den er in allen möglichen Variationen zubereitete in unserer großen Wok-Pfanne, was ihm auch den Spitznamen „China-Mann“ einbrachte – die Pfanne durfte allerdings dann immer ich sauber schrubben. So einen richtigen Sinn für Sauberkeit hatte er nämlich auch nicht. Etwas später stieg er immerhin um auf Tiefkühlpizza. Und den Backofen kann in der Hinsicht eh keiner mehr retten.
Mitbewohner F. hat es geschafft, Spaghetti anbrennen zu lassen. Und Filet-Fisch. Das hat mich wirklich wahnsinnig tief beeindruckt. Er hat nämlich immer gekocht, während keiner in der Küche war. Kann ja nicht jeder. Dunstabzugshaube war auch kein Thema (Sauna!), und auf dem Herd konnte man danach Siedlungen aus Bakterien bauen. So Real-Life-Küchen-Anno-2009.

Mitbewohnerin P., Nachfolgerin von Mitbewohner F., hingehen hat es geschafft, nie eine leiseste Spur zu hinterlassen. Kommunikation war aus, und das Essen wurde in ihrem Zimmer vorbereitet. Vorzugsweise Auflauf. Da muss man nicht in der Küche stehen, weil man da vielleicht jemandem über den Weg laufen könnte. Abends hat sie dann immer alle am Telefon totgequatscht. Irgendwie muss man das ja kompensieren, kann ich schon verstehen.
Mitbewohnerin P. kam aus Dresden, und ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was sie in Stuttgart das halbe Jahr eigentlich gemacht hat. Jedenfalls hat sie morgens immer eine Stunde lang das Bad besetzt, weil sie sich ihre langen goldenen Engelshaare eingedreht hat. Deswegen stand ich morgens ständig unter Druck, weil ich immer vor ihr ins Bad musste. Scheiß Competition am Morgen.
Mitbewohnerin P. zog irgendwann auch aus, ohne dass ich es merkte, aber gewundert hat mich das ehrlich gesagt nicht wirklich.

Mitbewohnerin A. hingegen war das genau Gegenteil von Mitbewohnerin P. Aufgeschlossen, redselig und offen für alles, stellte sie mein Leben ein wenig auf den Kopf. Sie war die erste, mit der ich quasi eine soziale WG-Beziehung (!) führte. Sie war Vegetarierin und brachte mich dazu, etwas Gemüse und Salat zu essen. Manchmal fragte sie mich auch, ob man ihre Orangenhaut sehen konnte, wenn sie ihre Sporthose anhatte.
Sie legte sich zudem ständig mit Mitbewohner S. an, weil sie ihn „eklig“ fand. Einmal stellte sie seinen Topf mit Fischstäbchen und Kartoffelbrei auf den Balkon, weil er schon ewig unaufgeräumt auf dem Herd vor sich hingammelte. Da schien dann schön die Sonne drauf. Was dann passierte, könnt ihr Euch ausmalen. Ich war jedenfalls das Opfer.
Das Ende vom Lied war, dass sie einfach die letzte Miete nicht überwies, weil „sie das gar nicht einsah“. Und ich glaube, Mitbewohner S. hat das nicht mal gestört, immerhin hatte er von da an seine Ruhe.

Und zu guter letzt gibt es da Mitbewohner U. Ich habe es immer bereut, dass er nicht die ganze Zeit mit uns zusammengewohnt hat, weil er einfach ein cooler Typ ist. Außerdem liest er meinen Blog, deswegen muss ich das auch schreiben. Mitbewohner U. mag deutschen Hip Hop und redet gerne und öfter mal in Anglizismen. Gestern hat er meine Geburtstagsparty vorbereitet, die ich in der WG „feiern“ wollte – hat Party-Musik rausgesucht, Pommes im Ofen gemacht, und dann „kamen gar keine Leute“, nur ich. Pommes haben wir trotzdem für mindestens zehn Personen gegessen und fünf Folgen LOST geschaut.
Was ich in den letzten Monaten herausgefunden habe, ist, dass Mitbewohner U. noch weniger vielfältig isst als ich, und Ketchup so ziemlich auf allem präferiert. Er steht nicht wirklich auf Gemüse, und sagt dann schon mal beim Einkaufen, dass man nur Lauch kaufe, „damit man was Grünes im Essen habe“. Er isst gerne Fertig-Zeug und ist mit Sicherheit schon total mit Glutamat vergiftet.
Ich hoffe, dass Mitbewohner U. seine Diplomarbeit, nach seinem halbjährigen Praktikum in Stuttgart, schreibt, dann bleibt er mir noch etwas erhalten.

Alles in allem hatte ich eine schöne Zeit in der WG. Ok, die Zeit ohne Waschmaschine war echt doof. Und das Festnetz-Telefon hat auch nie funktioniert. Aber sonst kann ich mich nicht beschweren.

Gedenktag des Tages: Internationaler Tag der Berge.

***

Retrospektive: Ode an meine Ex-Mitbewohner

11. Dezember 2009 um 00:59 Uhr

Retrospektive, WG-Leben, Wohnen

9

Gefällt mir! (6 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...

da mir am Wochenende ziemlich langweilig war, und ich auch schon in dreieinhalb Monaten ausziehen muss, habe ich beschlossen, am Samstag mal ein bisschen nach Wohnungen in Stuttgart im Internet zu schauen. (Was übrigens saublöd ist, weil bei den meisten Anbietern immer Provision mitgezahlt werden muss.) Ich habe jetzt eine kleine gefunden, die ich mir gestern angeschaut habe.

Sie liegt sehr zentral und direkt am Tengelmann – hab mich dann gefreut wie Bolle, dass ich Getränke gleich „nebenan“ holen kann und schnell in der Wohnung habe. Dieses Glück verflog aber, als ich die sechs Stockwerke nach oben gegangen bin. Ich brauch da ja alleine schon fünf Minuten, um hochzukommen. Es sind übrigens vierundachtzig Stufen, sagte die Mieterin, die noch in der Wohnung wohnt.

Das Gute an der Wohnung: die Lage, die Kosten, dass die Möbel schon drin sind (gut erhalten vor allem), ich gleich Anschluss an alle wichtigen öffentlichen Verkehrsmittel habe, „schnell“ daheim bin und doppelt so schnell im Geschäft wie jetzt. Das Schlechte: keinen Stauraum, keine Spülmaschine, es ist halt „Stadt“, keine Waschmaschine und kein Anschluss dafür, ach ja, ganz wichtig, keinen Backofen (!). Aber dieses Trauma habe ich schon verarbeitet, als ich Sonntagabend in das Zimmer meines neuen Mitbewohners U. gestürmt bin – der sich gerade Popcorn und ’nen Film reingezogen hatte – und ihm mein Leid geklagt habe.

Jenny: „Sag mal, U., ich hab mir was ganz Schlimmes überlegt.“
Mitbewohner U.: oO
Jenny: „Was ist, wenn die Wohnung morgen keinen Ofen hat?“
Mitbewohner U.: „Das wäre natürlich sehr fatal!“
Jenny: „Ja, ich kann keine Pommes mehr machen.“
Mitbewohner U.: „Stimmt.“
Jenny: „Und Du hattest doch mal so einen Mini-Ofen.“
Mitbewohner U.: „Ja, aber den hab ich leider schon vergeben.“
Jenny: „Ich wollte den auch nicht … aber, wenn ich jetzt keinen richtigen Ofen hätte, würde ich mir so was anschaffen, kann der Pommes?“
Mitbewohner U.: „Also, kann er schon … aber die sind dann unglaublich lätschig.“
Jenny: :no:
Mitbewohner U.: „Popcorn?“

Na ja, die jetzige Mieterin würde sogar ihren Mini-Ofen dalassen. (Dafür würde ich ihr die Schlager-CD schenken, die ich seit dem 22. August 2007 schon jemandem andrehen will.) Da könnte man Versuche starten, ob das nun geht oder nicht. Jetzt muss mich nur noch die Vermieterin selbst mögen, deswegen werde ich mir beim nächsten Mal einfach meine ungebügelte Bluse anziehen – sie wird mich bestimmt googeln lieben.

Gedenktag des Tages: Welt-Osteoporosetag.

***

Home, sweet home

20. Oktober 2009 um 16:18 Uhr

Retrospektive, WG-Leben, Wortgefecht

16

Gefällt mir! (4 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...

Geburtstag

wieder daheim in Stuttgart. Kochen fällt aus. Mitbewohner S. hat Geburtstag gefeiert. Muss Pfandflaschen abgeben und von Fast Food überleben.

Gedenktag des Tages: Tag des alkoholgeschädigten Kindes. (Ha ha ha, da haben die bestimmt toll reingefeiert.)

***

Trautes Heim …

9. September 2009 um 18:32 Uhr

Kurz & knackig, WG-Leben

5

Gefällt mir! (2 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...

Oder: Wo ich nicht bin, herrscht noch mehr Chaos.

ich bin wieder zurück in Stuttgart, und muss sagen, dass die Wohnung nach Mitbewohner S.‘ Party nicht so schlimm aussieht, wie ich es mir ausgemalt habe. Trotzdem stehen im Wohnzimmer noch Bierflaschen, benutzte Teller; die Küche steht voll mit Zeug und ist unbenutzbar, der Balkon liegt in Scherben. Von Mitbewohner S. fehlt natürlich jegliche Spur.

Immerhin sieht mein Zimmer noch so aus wie vor zwei Tagen.

***

Trautes Heim …

26. Juli 2009 um 16:20 Uhr

WG-Leben, Ärgernis

6

Gefällt mir! (0 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...

Klamotten
mein Bruder hat übers Wochenende alle seine Klamotten gewaschen. Und ich bin inzwischen wieder zurück in Untertürkheim und habe nach dem vorletzten Wochenende die zweite Runde Großputz in der WG eingelegt (dieses Mal ohne Rückenschäden). Einer muss ja machen. Oder: einer ist immer der Dumme. Dafür habe ich alles, was weder ins Wohnzimmer, in die Küche, ins Bad oder ins Klo gehört vor Mitbewohner S.‘ Zimmer gestellt. Der wird sich freuen. Mir aber egal, langsam geht’s mir nämlich echt aufn Sack, dass hier alles rumsteht.

***

Das bisschen Haushalt …

21. Juni 2009 um 17:41 Uhr

Retrospektive, WG-Leben

7

Gefällt mir! (0 Lesern auch schon.)

Loading ... Loading ...