Archiv der Kategorie Wohnen

Wasen

ich habe das Glück, immer auf Bahnstrecken nach Hause zu kommen, die am Wasen liegen. Dazu kommt noch, dass ich das überaus große Glück habe, die Bierzelt-Musik live in meinem Wohnzimmer (das so klein ist, dass es gleichzeitig Küche, Klo und Flur ist) zu hören. Allerdings entschädigt mich der gigantische Ausblick – zumindest bis dreiundzwanzig Uhr. Dann wird’s zappenduster.

Neulich fuhr ich mit der U1 von der Arbeit zu mir nach Hause. An der Mercedesstraße stiegen zwei Jungs ein, die einiges an Stoffgetier mit sich herum trugen. Ich würdigte sie keines Blickes – nicht, dass sie sich noch dachten, dass ich es gut finden würde, das Geld für so einen Scheiß wie Lose aus dem Fenster zu werfen. Dann sich lieber durch die ganzen Stände futtern oder eine Maß zischen.

Gegenüber der beiden Jungs saß ein etwa fünfjähriges Mädchen auf dem Schoß ihres Vaters und weinte. Also, wirklich herzzerreißend. Weil die beiden Jungs so viele schöne Stofftiere hatten. Und sie keines. Und der Papa einfach nicht gut genug fürs Dosen-werfen war. Ich starrte auf die beiden Buben, die jeweils fünf Stofftiere in ihren Händen hielten und wünschte mir für einen Moment etwas Gerechtigkeit auf der Welt.

Ach, kannste vergessen. Ehrlich.

Ich fuhr weiter nach Hause – mit Geheule im Ohr, und dankte insgeheim irgendwem, der dafür gesorgt hat, dass die Strecke zum VfB-Stadion nicht mehr auf meinem jetzigen Heimweg liegt. Und um sechs noch nicht so viele Betrunkene vom Wasen aus auf dem Heimweg sind. Fußball-Fans und Betrunkene auf einmal geht einfach mal gar nicht.

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Wasen-Erzählungen

20. April 2010 um 22:44 Uhr

Die Welt, Wohnen, Ă„rgernis

11

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ich hab von dem Wind gestern gar nicht so viel mitbekommen, abgesehen davon, dass unsere Fußmatte paar Meter weiter links als sonst lag. Allerdings hat der Wind auch einige Reste an Zigarettenstummeln vom Dach gefegt, die ein paar Leute von der Abschlussprüfungsparty letztes Wochenende wohl aus Spaß an der Freude aufs Dach geworfen haben, wahrscheinlich mit dem Gedanken, das Ganze könnte in die Regenrinne wandern, is ja nich‘ so schlimm ohne jeglichen Gedanken daran zu verschwenden, wo die wohl landen.

Gelandet sind die jedenfalls in unserem Garten. (Ich hab erst neulich mal herausgefunden, dass wir ja so was haben, sollte mal den Rollladen in Richtung Garten öffnen.) Hat mir die mürrische Oma heute Morgen erzählt. „Haben Sie denn ’ne Garty-Party gefeiert?“ Klar, Garten-Partys. Hätte mich auch schon auf die nächste Blasenentzündung gefreut. Außerdem hätte ich damals erst mal von dem Garten wissen müssen. -.-

„Wenn ich das nicht gewesen sind, muss ich mal den Herrn Nagold fragen.“ (Sie sagt immer Nagold, weil sie den ungarischen Nachnamen meines Nachbars nicht aussprechen kann.) Da erst fiel mir ein, dass das ja diese Wind-Sache von gestern mit Partyüberresten gewesen sein kann, hab ich ihr natürlich gestanden. Ich bin ja ein ehrlicher Nachbar.

„Jaaa, ihre Party. Die hat man schon gehört, ja! War sehr laut, man konnte alles hören.“ Schade, dass sie nicht gehört hat, wer mir auf meine Wäsche gekotzt hat.

Jedenfalls darf ich nachher nach Feierabend noch Zigarettenstummel aufsammeln gehen. Könnt mir theoretisch auch ’ne Suppe draus machen.

Gedenktag des Tages: Balearentag.

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Bisschen windig war’s ja schon.

1. März 2010 um 15:37 Uhr

Retrospektive, Wohnen, Ă„rgernis

6

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Neue Schuhe

auf dem Bild: Ich, und meine neuen Schuhe, die nicht zu dem heutigen Outfit passen. Das erste Mal aus Leder, weil im Winter die aus Stoff doof sind. Okay, ich hab es jetzt auch endlich eingesehen, nachdem ich die letzten drei Monate bestimmt fünf Mal etwas stärker erkältet war. Nun, im Alter … da macht das Immunsystem einfach nicht mehr so mit. Und ich muss mir einfach eingestehen, dass ich schon fast auf die dreißig zugehe.
Ach ja, ich hab auch ein Imprägnierspray. Auch zum ersten Mal. Toll, so was. Das große Piktogramm, auf dem ein toter Fisch vor einem toten Baum im verseuchten Wasser schwimmt, sagt mir, dass ich das lieber draußen und sparsam testen sollte.

Nicht auf dem Bild: Die drei großen Müllsäcke hinter mir, die ich seit Sonntag entsorgen wollte. Da aber die eine Oma eine Wohnung unter mir darauf besteht, dass der Restmülleimer nicht neben den ganzen anderen Tonnen steht, sondern im dafür vorgesehen Schrank, der sich neben den anderen Mülltonnen befindet – bin ich etwas hinterher mit dem Wegräumen.
Ihr wisst ja gar nicht, dass die Müllmänner die Restmülltonne nicht holen und leeren, wenn sie nicht im Schrank steht. Deswegen bleibt die im Schrank, was total unbequem ist1. Dass es auch anders gehen könnte, daran wird nicht herumdiskutiert, das ist nämlich schon seit vierzig Jahren hier so. Außer, dass da die Restmülltonnen bestimmt noch aus Leinen geflochten waren.

Auch nicht auf dem Bild: Die anderen fuffzehn Paar Schuhe. Dadurch würde sich nur eines der vielen Frauen-Klischees bewahrheiten, das ausnahmsweise auf mich zutrifft.


  1. Unbequem: Schrank aufmachen, Tonne rausziehen, Deckel öffnen, Müll reinwerfen, Deckel schließen, Tonne wieder in Schrank stellen, Schrank zu machen.
    Bequem: Deckel aufmachen, Müll reinwerfen, Deckel schließen.

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Schuhe.

30. Dezember 2009 um 20:37 Uhr

Bla... Bla... Bla..., Wohnen

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Besteck

es gibt ja so manches in dem Haus hier, das ich ziemlich komisch finde. Unseren Keller zum Beispiel. Da gibt es einen Raum, der aussieht wie ein Kerker. Man kann sogar an der Tür so ein Guckfenster auf- und zuschieben. Ich hab noch nicht so genau reingeschaut, aber ich wette, es hängen Skelette an der Wand. Mit Trinkflaschen um den Hals. Ein Fernglas, bestimmt aus der Zeit vorm Krieg, hab ich auch schon entdeckt. Aber das fällt auseinander, wenn man es anfasst. Und wer weiß, vielleicht löse ich damit einen böse Spuk aus, und ich muss nachts Kameras aufstellen, um zu überprüfen, ob Dämonen in meiner Wohnung herumlaufen.

Viel unheimlicher als das alles ist aber meine Besteckschublade. Ich hatte das Glück, Besteck nicht kaufen zu müssen, weil alles da ist. So ziemlich zumindest. Und das was drin ist, ist teilweise ziemlich komisch. Da sind nämlich Sachen drin, bei denen ich überhaupt nicht weiß, wofür sie gut sind. Sehen teilweise aus wie Instrumente aus dem OP-Saal oder der Zahnarzt-Praxis. Abgesehen von dem geriffelten Löffel und dieser nicht proportional geratenen Gabel. Und diesem verkrüppelten Kartoffelschäler.

Vielleicht weiß da ja jemand mehr als ich. Ich hätte da auch noch eine Schlager-CD für denjenigen. Also die, die ich schon seit dem 22. August 2007 jemanden andrehen will. Die ist inzwischen schon total antiquiert.

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seit ich meine leeren Klopapierrollen selber entsorgen muss, weiß ich, was ich an meiner WG hatte. Gut, ich muss gestehen, dass ich das Leben alleine hier unverhofft gut fertig bringe, aber eine gute Gesellschaft kann natürlich durch nichts ersetzt werden.

In den fast zwei Jahren in meiner WG in Untertürkheim in der Türkenstraße hatte ich insgesamt fünf Mitbewohner, die kommen und gingen. Da wäre zum Beispiel Mitbewohner S. Nun ja, Mitbewohner S. ist der Einzige, der konstant dort gewohnt hat, was wohl daran liegt, dass er der Bruder von demjenigen ist, dem eigentlich die schnieke Wohnung gehört hat.
Mitbewohner S. hat man prinzipiell nie bemerkt, abgesehen von den Bergen an Geschirr, die er in der Küche hinterlassen hat. Und manchmal, wenn er betrunken vom Wasen kam. Und manchmal, wenn er ganz plötzlich den totalen Putz-Wahn bekam, und die ganze Wohnung geschrubbt hat. Was in der Zeit, als ich dort war, genau zwei Mal vorkam.
Trotz allem war Mitbewohner S. wirklich ein sehr angenehmer Mensch, der mir zum Beispiel aufgemacht hat, wenn ich mich (mal wieder) ausgeschlossen habe. Ausschließen kann man sich nie genug, und weil das so ist, habe ich es ja auch inzwischen mal geschafft, und zwar nach ganzen sechs Tagen wohnen in der neuen Wohnung. Und einer halben Stunde vor meiner Einweihungsparty Teil Eins. Immerhin hab ich am Vortag den Ersatzschlüssel im Geschäft gelassen. Hiermit danke ich gleich mal offiziell meinem Kollegen M.

Mitbewohner F. war der erste Mitbewohner neben Mitbewohner S. Mitbewohner F. hatte die Angewohnheit, immer eine Zeit lang das Gleiche zu essen. Anfangs hatte er ein Faible für Reis, den er in allen möglichen Variationen zubereitete in unserer großen Wok-Pfanne, was ihm auch den Spitznamen „China-Mann“ einbrachte – die Pfanne durfte allerdings dann immer ich sauber schrubben. So einen richtigen Sinn für Sauberkeit hatte er nämlich auch nicht. Etwas später stieg er immerhin um auf Tiefkühlpizza. Und den Backofen kann in der Hinsicht eh keiner mehr retten.
Mitbewohner F. hat es geschafft, Spaghetti anbrennen zu lassen. Und Filet-Fisch. Das hat mich wirklich wahnsinnig tief beeindruckt. Er hat nämlich immer gekocht, während keiner in der Küche war. Kann ja nicht jeder. Dunstabzugshaube war auch kein Thema (Sauna!), und auf dem Herd konnte man danach Siedlungen aus Bakterien bauen. So Real-Life-Küchen-Anno-2009.

Mitbewohnerin P., Nachfolgerin von Mitbewohner F., hingehen hat es geschafft, nie eine leiseste Spur zu hinterlassen. Kommunikation war aus, und das Essen wurde in ihrem Zimmer vorbereitet. Vorzugsweise Auflauf. Da muss man nicht in der Küche stehen, weil man da vielleicht jemandem über den Weg laufen könnte. Abends hat sie dann immer alle am Telefon totgequatscht. Irgendwie muss man das ja kompensieren, kann ich schon verstehen.
Mitbewohnerin P. kam aus Dresden, und ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was sie in Stuttgart das halbe Jahr eigentlich gemacht hat. Jedenfalls hat sie morgens immer eine Stunde lang das Bad besetzt, weil sie sich ihre langen goldenen Engelshaare eingedreht hat. Deswegen stand ich morgens ständig unter Druck, weil ich immer vor ihr ins Bad musste. Scheiß Competition am Morgen.
Mitbewohnerin P. zog irgendwann auch aus, ohne dass ich es merkte, aber gewundert hat mich das ehrlich gesagt nicht wirklich.

Mitbewohnerin A. hingegen war das genau Gegenteil von Mitbewohnerin P. Aufgeschlossen, redselig und offen für alles, stellte sie mein Leben ein wenig auf den Kopf. Sie war die erste, mit der ich quasi eine soziale WG-Beziehung (!) führte. Sie war Vegetarierin und brachte mich dazu, etwas Gemüse und Salat zu essen. Manchmal fragte sie mich auch, ob man ihre Orangenhaut sehen konnte, wenn sie ihre Sporthose anhatte.
Sie legte sich zudem ständig mit Mitbewohner S. an, weil sie ihn „eklig“ fand. Einmal stellte sie seinen Topf mit Fischstäbchen und Kartoffelbrei auf den Balkon, weil er schon ewig unaufgeräumt auf dem Herd vor sich hingammelte. Da schien dann schön die Sonne drauf. Was dann passierte, könnt ihr Euch ausmalen. Ich war jedenfalls das Opfer.
Das Ende vom Lied war, dass sie einfach die letzte Miete nicht überwies, weil „sie das gar nicht einsah“. Und ich glaube, Mitbewohner S. hat das nicht mal gestört, immerhin hatte er von da an seine Ruhe.

Und zu guter letzt gibt es da Mitbewohner U. Ich habe es immer bereut, dass er nicht die ganze Zeit mit uns zusammengewohnt hat, weil er einfach ein cooler Typ ist. Außerdem liest er meinen Blog, deswegen muss ich das auch schreiben. Mitbewohner U. mag deutschen Hip Hop und redet gerne und öfter mal in Anglizismen. Gestern hat er meine Geburtstagsparty vorbereitet, die ich in der WG „feiern“ wollte – hat Party-Musik rausgesucht, Pommes im Ofen gemacht, und dann „kamen gar keine Leute“, nur ich. Pommes haben wir trotzdem für mindestens zehn Personen gegessen und fünf Folgen LOST geschaut.
Was ich in den letzten Monaten herausgefunden habe, ist, dass Mitbewohner U. noch weniger vielfältig isst als ich, und Ketchup so ziemlich auf allem präferiert. Er steht nicht wirklich auf Gemüse, und sagt dann schon mal beim Einkaufen, dass man nur Lauch kaufe, „damit man was Grünes im Essen habe“. Er isst gerne Fertig-Zeug und ist mit Sicherheit schon total mit Glutamat vergiftet.
Ich hoffe, dass Mitbewohner U. seine Diplomarbeit, nach seinem halbjährigen Praktikum in Stuttgart, schreibt, dann bleibt er mir noch etwas erhalten.

Alles in allem hatte ich eine schöne Zeit in der WG. Ok, die Zeit ohne Waschmaschine war echt doof. Und das Festnetz-Telefon hat auch nie funktioniert. Aber sonst kann ich mich nicht beschweren.

Gedenktag des Tages: Internationaler Tag der Berge.

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Retrospektive: Ode an meine Ex-Mitbewohner

11. Dezember 2009 um 00:59 Uhr

Retrospektive, WG-Leben, Wohnen

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