man sagt ja immer, dass Eltern, deren Kinder alle ausgezogen sind, sich einer Art Wandel unterziehen. Bei uns war es nun am Wochenende so weit, und irgendwie ist es komisch – war man selbst doch gestern erst fünf – und alles so weit weg, so zog mein jüngster Bruder am Freitag aus, um ein Jahr in Kenia zu verbringen.

Das kommt alles aber auch so schleichend. Erst meine Schwester, dann ich, dann mein Bruder, und nun der letzte. Nach fünf Jahren des langsamen Wandels ist das Haus nun leer.

Mein Vater war in den letzten Tagen merklich trauriger geworden, und erst jetzt fällt mir wirklich auf, wie das eigentlich sein muss. Ich wuchs einundzwanzig Jahre zusammen mit meiner Familie auf. Und ist man erst mal von dort weg, fällt einem erst auf, was es bedeutet, wirklich daheim zu sein – umgeben von Menschen, die einen besser kennen, als irgendein anderer.
Und wenn man erst mal die Hälfte seines Lebens damit verbracht hat, seine Kinder aufzuziehen, fällt es wohl doppelt schwer, sie gehen zu lassen.

Der Abschied meines Bruders war ziemlich seltsam. Irgendwie ist man unter Geschwistern nur eine Einheit, wenn alle da sind. So bald einer fehlt … fehlt halt irgendwas. Man nimmt das oft als selbstverständlich hin, aber in so einer Situation merkt man erst, wie besonders eine Beziehung zu der Familie sein kann.

Nach zwölf Stunden Flug und Fahrt kam er im warmen Kenia an. In einem Jahr kann viel passieren – muss komisch sein, ein Jahr lang weit weg von daheim zu sein.

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Der letzte Schritt

3. Januar 2011 um 09:06 Uhr

Bizarres/Komisches, Ego & I

12

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ich habe mich gerade das zweite Mal innerhalb einer Woche von meinem Online-Banking ausgesperrt. Würde ich mich selbst nicht schon für völlig gestört halten, würde ich sagen, ich bin völlig gestört. Glücklicherweise ist die Bank hier nur eine Gehminute entfernt, um den ganzen Spaß wieder entsperren zu lassen. Und als wär das nicht genug, hab ich die Sicherheitsfrage meines Tagesgeld-Kontos falsch beantwortet. Drei Mal. „Wie hieß Ihr erster Freund?“

Aber das soll uns alles nicht davon abhalten, meinen ganz persönlichen Jahresrückblick zu vollziehen.

Das Ganze fing damit an, dass ich das erste Mal in meine eigene Wohnung zog, in der ich jetzt schon seit etwas mehr als einem Jahr wohne. Sie hat stolze achtundzwanzig Quadratmeter und kostet vierhundertzwanzig Euro warm und liegt nicht mal im Herzen Bad Cannstatts. Und wenn ich schlafe, stelle ich mir einen Stuhl ans Ende der Couch.
Nach knapp zweieinhalb Jahren des WG-Lebens ist das natürlich eine Umstellung, keinen mehr um sich herum zu haben. Aber auch sehr schön, weil keine betrunkenen halbstarken Freunde meines Mitbewohners S. an meiner Zimmertür kratzen, während sie am Boden lagen und versuchten, das Klo zu finden (das übrigens direkt neben meinem Zimmer lag, was oft von Vorteil war, aber auch oft von Nachteil, wenn jemand mal was Schlechtes gegessen hat und sich dort lautstark austobte).

Ich schloss meine Ausbildung ab, die ich auf die lockere Schulter nahm, einfach, weil diese Prüfung von jedem Idioten geschafft werden kann, der einen Kreis von einem Quadrat unterscheiden kann und einen höheren Intelligenzquotienten als Forrest Gump hat. So weit reichten auch meine Fähigkeiten.
Leider musste ich nach drei Jahren aus meiner Agentur ausscheiden, fand aber nach sechs Wochen Arbeitslosigkeit wieder einen Job, in dem ich das mit meiner Kompetenz nun unter Beweis stellen muss. Oder so ähnlich.

Ich überwand den Liebeskummer des Todes und begann eine Beziehung mit dem wundervollsten Menschen. Wundervoll, obwohl er mich manchmal mit „Hey, Du Freak!“ begrüßt und mit Schnee portraitiert.

Ich

Ich habe in diesem Jahr gefühlt tausend Mal weniger gebloggt als jemals zuvor. Irgendwann hat sich bei mir der Schalter umgelegt, und ich hab einfach alles zu private aus meinem Blog heraus gelassen, was für einen Privat-Blog natürlich der Tod ist. Aber das ist okay, ich finde mich langsam aber sicher wieder rein. Ich nenne mich ab heute, hm, J. Weil das in ist, sich nach dem ersten Buchstaben des Namens zu benennen. Das haben uns S und B von dragstipgirl vorgemacht.

Wo wir bei den Blogs des Jahres wären. Den ganzen Beitrag lesen »

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Mamma mia, mamma mia, mamma mia let me go!

30. Dezember 2010 um 16:43 Uhr

Retrospektive

20

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Mama

Damit ihr mal wisst, was meine Mama so alles für mich tut.

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Und zur Feier des Tages:

27. Dezember 2010 um 02:41 Uhr

Bizarres/Komisches, Kurz & knackig

4

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Schnee

der Weihnachtsfeiertag ist hier auch schon wieder herum. Und während meine Familie sich jetzt nach der Kirche mit unserem Pfarrer, der immer als Erstes am Bierstand steht, den Magen mit Sekt zuschüttet, sitze ich in meinem schönen warmen Bett mit meinem Eistee. Hab genug vom Schnee jetzt.

Als Städter ist man das ja gar nicht mehr gewohnt. In der Stadt kriegen alle nämlich schon den totalen Koller, wenn ein paar Flocken herunterkommen. „OH GOTT, SCHNEE!“ Da steht die Oma bei mir morgens senkrecht im Bett, passt mich anschließend geschickt im Treppenhaus ab, streckt die Arme gen Himmel und ruft: „Frau Keineahnungwas1, schippen Sie bloß, sonst fallen die ganzen Menschen auf dem Gehweg vor unserem Haus!“ Daraufhin schippe ich die fünf Flocken weg, tu so, als ob ich Salz streue (hab ja nie welches) und geh meiner Wege.
Und dann komme ich heim, in das beste Kaff aller Käffer in der Heimat, und muss mir den Weg zum Hauseingang freibuddeln. DAS ist Schnee!

Heute war das mit dem bisschen Schnee trotzdem relativ anstrengend, an meinen Bahnhof zu kommen mit meinem halbkaputten Rollköfferchen, bisschen Schnee und bisschen Salz. Deswegen ging ich zehn Minuten früher als sonst los und hab den Weg hinter mir quasi auch noch parallel vom Schnee bereinigt.

Schnee

Dieses Jahr hatte mein Vater den Baum sogar noch vor dem vierundzwanzigsten geholt, somit kamen wir nicht mehr in die Verlegenheit, vor der Bescherung den letzten Baum zu ergattern.

Meine Geschenke waren natürlich alle fantastisch. Beispielsweise das Album von Juliane Werding, mit dem Hit „Mein Name ist Juliane“ von meiner besten Freund R. Die CD hörten wir damals, als man sich im Internet noch in Foren anstatt Facebook herumtrieb. Warum wir das hörten, wusste keiner so genau, aber die CD lag lang genug in Mama R.s Auto, und wurde dann mit dem alten Mercedes irgendwo in Rumänien mit klein gepresst. Schätzungsweise.
Oder Klamotten von meiner wundervollen Schwester, weil ich ihre immer klaue. Aber leider viel zu klein. Meine Schwester sagt, das ist figurbetont, ich sage, das ist der neue Presswurst-Look. Auf dem einen Shirt steht groß „ACTIVE GET“, was wie eine Deo-Marke klingt. Sollte man aber wahrscheinlich wie „GET ACTIVE“ lesen.

Mein Vater hat übrigens einen mp3-Player bekommen. Dafür, dass es letztes Jahr nicht mal einen Computer einschalten konnte, hatte er große technische Fortschritte gemacht, beispielsweise eingesehen, dass er keinen Akku für das uralte Nokia 3210 findet, und sich ein neueres Handy geholt. Er schreibt jetzt sogar mit T9. Ob noch komplett in Großbuchstaben, muss ich bis zur nächsten SMS abwarten.
Um zurück zum mp3-Player zu kommen: Ich habe ihm zwar erklärt, wie alles funktioniert, bin mir aber nicht sicher, ob er alles verstanden hat. Er fand es aber toll, mit zwei Stöpseln im Ohr herumzulaufen und uns anzubrüllen, weil er dachte, wir hören ihn nicht mehr.

Meiner Schwester schenkte ich einen Kühlschrank voll laktosefreier Produkte, überwiegend Käse. Und R. bekommt einen Tequila, das macht sie immer am glücklichsten, die alte Saufamsel.

Und was tat ich sonst? Ich wollte mir die Haare wieder Brünett färben, und nun sind sie schwarz und ich seh aus wie ein Grufti. Fröhliche Weihnachten also.


  1. Sie weiß meinen Namen nie und sagt ständig was anderes. Schlimmer ist es noch mit dem Nachnamen meines Nachbars, der ist nämlich so ausländisch, den kann nicht mal ich mir merken, geschweige denn aussprechen.

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Mein Name ist Juliane.

24. Dezember 2010 um 23:41 Uhr

Retrospektive

4

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Ich, als ich noch jung war.

das Schlimme am Offlinesein ist ja, dass man sich immens schnell daran gewöhnt. Irgendwann geht es mir am Arsch vorbei, was diverse Blogs für Kleinkriege führen, was sie schreiben, ob sie ständig präsent sind oder nicht. Und überhaupt – mich zieht es gerade überhaupt nicht an den Rechner, was unter anderem aber auch daran liegt, dass sich mein Laptop langsam aber sicher aufhängt, der Sack.

Fing an mit der Tastatur, ging über zum Akku, über das DVD-Laufwerk bis hin zum Nicht-mehr-lesen-können von externen Geräten. Das iPhone ist momentan mein einziger Kontakt zur Außenwelt. Und somit krieche ich wieder zurück in meine Steinhöhle und komme nur noch ab und zu raus, um Holz für mein Lagerfeuer zu sammeln, damit ich ein paar Eichhörnchen grillen kann.

Mit was ich mich sonst beschäftige?

Ich hab neulich beispielsweise ein bisschen in meinem Keller gewühlt, und zwar in dem Zeug, das ich vor vier Jahren in meine Umzugskartons packte, als ich von zu Hause auszog. Der Grund war, dass ich endlich einen Walkman bekommen habe, und nun Kassetten brauchte, die ich damit auch anhören kann. Neben meiner Blasmusik-Kassette von Juni 1997 entdeckte ich auch etliche Fotos, Tagebücher und Dinge, von denen ich Euch nichts erzähle, weil das total pervers wäre.

Eines der Fotos ist das hier im Artikel, aufgenommen vor ziemlich genau zehn Jahren. Merkmal noch immer: Augenringe und dieser bestimmte Silberblick.

Auch meine Kassetten-Sammlung ist der absolute Hammer. Meine Geschwister und ich haben uns ja immer unglaublich gerne selbst aufgenommen, und während man das Rattern der Kassette in der Aufnahme hört, erzählen wir absolutes absurdes Zeug und tun so, als ob wir im Radio wären. Sehr amüsant war auch, als ich stundenlang Textpassagen aus meinem Englischbuch der fünften Klasse vorlas und aufnahm, Hauptfiguren waren Asif Ahmed, ein Inder, und Claire, die sich immer darüber stritten, welcher englische Verein besser ist: Manchester United oder Manchester City. Asif Ahmeds gibt es übrigens sehr viele, und wenn ihr wissen wollt, wie Asif Ahmeds aussehen, müsst ihr einfach mal googeln.

Meine Englischkünste haben sich seit der fünften Klasse irgendwie auch wieder zurückentwickelt. War gestern bei uns doch tatsächlich ein Postbote, der nur Englisch sprach, und zwar mit einem Akzent, dass ich dachte, ich treffe Asif Ahmed höchstpersönlich. Hab den nicht verstanden, und das, obwohl ich vor wenigen Sekunden noch bejahte, dass ich Englisch verstehe. Ich hörte die ganze Zeit nur „New York, New York“, und als er mir das Paket in die Hand drückte, verstand ich erst, dass es Retour kam.

Aber gut, meine Englischkenntnisse sollen hier jetzt nicht an vorderster Stelle stehen, sondern meine verzwickte Vergangenheit. Vor genau zehn Jahren hatten wir in der Schule auch das Thema „Wie bewerbe ich mich“, was ziemlich das langweiligste Thema in Gemeinschaftskunde ist, das man haben kann. In diesem Zuge haben wir dann irgendwann mal einen mehrstündigen Ankreuz-Test gemacht, der uns zeigen soll, welche Eigenschaften wir so haben, und was beruflich dazu passt. Fand also den Wisch dazu, der unsere Ergebnisse zusammenfasste:
Während meine Schlüsselqualifikationen Eigenschaften freilegte von wegen „6 Prozent Kontaktfreude“, „88 Prozent Verständnis“ oder „18 Prozent Belastbarkeit“, waren meine Interessen klar ausgeprägt: „100 Prozent EDV/Computer“ und 88 Prozent für meine künstlerische Ader. Ich hätte nach deren Ansicht Fachinformatiker werden sollen, und kann sagen, dass jeder Programmierer froh sein kann, wenn er mich nicht zum Azubi hat. Nun ja, immerhin habe ich nach dem Test nicht ganz den Beruf verfehlt. Und introvertiert, ohne jegliche Kontaktfreude und labil bin ich ja immmer noch, und wie man sieht, kriege ich trotzdem was hin.

Lange rede, kurzer Sinn: Ich bin überhaupt nicht mitteilungsbedürftig und kriege die Feiertage bestimmt auch ohne das Internet rum. Denke ich. Wenn nicht, fange ich wieder an, Topflappen zu häkeln, den Keller hab ich so gut wie durch.

Gedenktag des Tages: Nationalfeiertag in Japan.

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